Pfarrers Kinder, Müllers Vieh geraten selten oder nie, sagt die Bauernregel, von der dann Professor Dr. phil. Dr. rer. nat. E. h. Ulrich Haberland, der Chef der Farbenfabriken Bayer in Leverkusen, wohl die glänzende Ausnahme ist. Nein, eigentlich nicht die glänzende Ausnahme. An Haberland wirkt nichts brillant. Er ist ein wenig gleichgültig gegen seine Kleidung. Seine Aktenmappen sind nicht aus dem besten Saffian. Wer ihn im Flugzeug oder in der Eisenbahn trifft, ahnt nicht, daß dieser Mann aus den Trümmern, die er 1945 vorfand, ein Werk aufbaute, dem 58 000 Arbeiter und Angestellte mit Treue anhängen. Man muß einmal gesehen haben, wie Haberland sich seinen Platz in dem großen Casino in Leverkusen aussucht und dabei freundschaftlich-nachlässig von seinen „Untergebenen“ begrüßt wird. Man hat den Eindruck, daß sie ihm (und seinem Besuch gleich mit) im nächsten Augenblick auf die Schulter klopfen würden. – 200 000 zufriedene Aktionäre, 2,3 Milliarden D-Mark Umsatz, davon mehr als die Hälfte Export: ein solcher Erfolg ist dem fünften Kind des mitteldeutschen Pfarrers nicht in den Schoß gefallen. Exzellente wissenschaftliche Ausbildung mit gesundem kaufmännischem Instinkt und unendlich harte Arbeit über Jahrzehnte brachten ihn an die Spitze.