Für das Gewicht, das man hier der Unfallverhütung beimißt, ist es bezeichnend, daß es für jede. Reparatur oder Unterhaltungsarbeit einer Arbeitsgenehmigung der Sicherheitsabteilung bedarf, wobei deren Sicherheitsbedingungen, je nachdem, ob es sich um heiße oder kalte Arbeiten handelt, unterschiedlich sind. Unfallverhütungstafeln und vor allem Prämien für unfallfreies Arbeiten kommen hinzu, um das dauernde Interesse an der Unfallverhütung wachzuhalten und die gesamte Belegschaft vom Arbeiter bis zum Betriebsleiter unfallbewußt und sicherheitsbewußt zu machen. Daß Monteure, die ein Moniereisen mit Hilfe eines Schweißbrenners zu einem Ring biegen wollen, dazu eine Azetylenflasche als Biegeform benutzen, wie das mit – natürlich – explosivem Ausgang vor einiger Zeit an anderer Stelle passierte, ist bei derartigen Maßnahmen undenkbar.

Das Ergebnis aller dieser Bemühungen ist vielmehr, daß die Kölner Raffinerie mit ihren niedrigen Unfallzahlen an der Spitze der deutschen Raffinerien steht, bezeichnenderweise aber lediglich einen guten Mittelplatz hält unter den gesamten über die ganze Welt verstreuten 50 Esso-Raffi-

Die Düsseldorfer Philippika

Den deutschen Betrieben und den sich bis dahin am Unfallgeschehen recht uninteressiert zeigenden Gewerkschaften den Anstoß gegeben zu haben, den Amerikanern nachzueifern, dieses Verdienst gebührt dem Arbeitsdirektor Strohmenger des Hüttenwerkes Oberhausen. Nach einigen Jahren intensiver und erfolgreicher Unfallverhütung im eigenen Betrieb trat Strohmenger, gestützt an seine Erfahrungen, im November vergangenen Jahres vor den Kongreß für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Düsseldorf und trug seinen Zuhörern Tatsachen vor, die vielen nicht einmal bekannt, manchen außerdem höchst unbequem waren:

„Die Tatsache, daß die Unfallkosten die deutsche Wirtschaft jährlich mit mindestens 4 bis 5 Milliarden DM belasten, daß allein in der Stahlindustrie Tag für Tag die gesamte Belegschaft eines kleineren Hüttenwerkes, nämlich fast 4000 Mann, unfallkrank feiert, daß im selben Bereich die jährlichen Ausgaben der Berufsgenossenschaften und Krankenkassen für Unfälle sich dem Wert von hundert Millionen Mark nähern, ohne daß Alarm geschlagen wird“, diese Zahlen ließen aufhorchen. Aufhorchen ließ auch die Angabe Strohmengers, daß die Intensivierung des Arbeitsschutzes und die zahlreichen Maßnahmen zur Unfallverhütung in seinem eigenen Werk dazu geführt hatten, daß die Unfallhäufigkeit dort seit drei Jahren nur mehr etwa ein Drittel derjenigen der übrigen deutschen Stahlindustrie betrug.

98 vH Vergütung – 2 vH Verhütung

Dann aber stellte Strohmenger die Frage, wer ist schuld, wer ist zuständig? Seine Antwort: In erster Linie der Betrieb; niemand anders als die Unternehmensleitung muß für eine andere Einstellung zum Unfallgeschehen und zur Arbeitssicherheit sorgen. An die Vorgesetzten und nochmals an die Vorgesetzten appellierte Strohmenger – und an. den Betriebsrat. Aber dann kamen jene Sätze, die in der Reuterstraße in Bonn noch heute unvergessen sind: