Eigentlich steht es mir nicht an, ein Lehrbuch über das Fischen zu schreiben. Je länger man nämlich fischt, um so mehr weiß man, wie wenig man weiß.

Dieser Satz, so ehrlich Wie bescheiden, steht in dem Buch von

Alexander Spoerl: „Fische fangen“; R. Piper & Co Verlag, München; 238 S., 16,80 DM.

Eigentlich steht es mir nicht an, ein Lehrbuch über das Angeln zu rezensieren, denn ich bin nur ein Amateur-Hochsee-Schleppnetz-Fischer. Ich kann also sein Fach ebensowenig beurteilen wie er meines. Trotzdem schreibt er munter: „Ich und Sie; wollen das (nämlich das Fischen) nicht zum Broterwerb betreiben – andernfalls könnten wir mit Netzen Fische aus einem großen See ernten, ohne dabei Geist verschwenden zu müssen!“

Alexander Spoerl, dessen Beruf es zu sein scheint, Hobbies nachzugehen, hat also seinen Fachbüchern über das Camping, über Autos, Kameras sowie Motorräder und Röller dieses „heitere Lehrbuch für Angler und solche, die nichts fangen“ hinzugefügt. Nun, ich wollte also alles übers Angeln wissen. So las ich denn, weil Kulturgeschichte ja in jedes Lehrbuch gehört: „Das Fischen ist möglicherweise die älteste Art des Jagens.“ Möglicherweise? In einem solchen Buche sollte das verbindlich stehen. Übrigens stimmt’s nicht.

Das Fischen sei sehr aufregend, widerspricht Spoerl einem alten Laienglauben, und der untermauert dies: „Sehr prominente Leute haben dabei einen Herzschlag erlitten.“ Wer, wann, wo?

Es sprudelt schon, dieses Buch; munter und schnell fließt es dahin wie ein Gebirgsbach – und so flach, daß man fast stets auf den Grund sehen kann. Wo nicht, da hellen seine Geistesblitze die Oberfläche spiegelnd auf; sie hüpfen leicht dahin wie ein schräg geschnippter Kieselstein – und trüben die Sicht auf den Grund der Sache.

Es ist ein vergnügliches Buch, Spoerl-Leser werden es begeistert konsumieren, auch wenn sie nichts übers Angeln wissen wollen. Denn Hobby-Spezialist Spoerl bleibt seiner Maxime treu: Man muß die Sache witzig machen, um sie unter die Leute zu bringen. Und passionierte Angler werden es in die drei Meter lange Reihe ihrer Fachliteratur einordnen, weil es nun mal dazugehören will. Sie werden sich schon herausfischen, was sachlich nützlich ist. O. F.