Nur über Dinge, die einem nicht nahegehen, hat man ein wirklich unparteiisches Urteil; dies ist vermutlich der Grund, warum ein unparteiisches Urteil immer vollkommen wertlos ist.

Oscar Wilde

Faire Reaktion

In Frankreich läuft zur Zeit Erwin Leisers Dokumentarfilm „Mein Kampf“, der die Gemüter, vor allem die deutschen, noch lange aufwühlen wird. Trotz des oft gepriesenen guten Einvernehmens, das in letzter Zeit diesseits und jenseits des Rheins von Franzosen und Deutschen konstatiert wird, mußte man der französischen Reaktion auf diese für uns sehr heilsame Gedächtnisauffrischung gespannt entgegensehen. Nun, sie war fair. Claude Mauriac, Filmkritiker des Figaro Litteraire, zog eine überlegene Konsequenz: „Aber über all diesen politischen Fanatismen und ihrer geographischen Lokalisierung fühlen wir uns voll verantwortlich. Daß Menschen bei vollem Bewußtsein solche Greuel begehen konnten, trifft uns um so mehr, als diese unentschuldbare Kette von Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht abgerissen ist und sich bis heute außerhalb Deutschlands fortsetzt.“

Der wirksamste Köder

Am vergangenen Wochenende wurde in London Agatha Christies Schauspiel „Die Mausefalle“ zum 3319. Male aufgeführt. Das Stück hat damit alle Aufführungszahlen in der Geschichte des englischen Theaters hinter sich gelassen (den letzten Rekord stellte „Chu-Chin-Chow“ mit 2238 Abenden auf). Wann die Mausefalle endgültig zuklappen wird, ist noch nicht abzusehen.

Generationsunterschiede