FÜR romantisch Liebende und solche, die es waren oder dennoch gerne wären

„Deutsche Liebesdichtung aus achthundert Jahren“, herausgegeben von Friedhelm Kemp; Kösel-Verlag, München; 651 S., 25,80 DM.

ES ENTHÄLT mehr als dreihundert Liebesgedichte der deutschen Literatur, beginnend mit dem „Ich stuont mir nehtint spate“ des Kürenbergers, endend mit Rudolf Borchardts „Tagelied“; alle berühmten deutschen Dichter sind natürlich vertreten, aber eben doch daran gemessen, was sie zu dem Thema beizutragen haben – so erscheint Schiller mit drei Gedichten, David Schirmer hingegen, der kurfürstlich-sächsische Hofpoet des Barock, mit sechzehn.

ES GEFÄLLT, weil der Herausgeber hier wie schon in seiner Sammlung „Deutsche geistliche Dichtung aus tausend Jahren“ mit wissenschaftlicher Akribie so unauffällig und doch so brillant umzugehen weiß. Dadurch entsteht ein Buch, das – auch durch seinen vorzüglichen Anhang mit Kommentaren und Kurzbiographien – im Text alle philologischen Forderungen erfüllt und dennoch nicht die abschreckende Wirkung so manches gelehrten Werkes ausübt, welches dem Laien hochmütig seinen Standort irgendwo tief drunten zuweist – und wer fühlte sich schon bei diesem Thema gerne als Laie behandelt! – a. f.