Nicht immer Aggression

Marion Gräfin Dönhoff: „Nur Geld?“ ZEIT Nr. 48

In Ihrem Artikel steht ein sehr bedauerlicher Satz, der meine ganze Empörung hervorruft. Sie schreiben am Ende Ihres Aufsatzes:

„Generationen von Deutschen sind ausgezogen mit Schwert und Karabiner, haben andere überfallen, Länder verwüstet, Städte zerstört.“

Ich bitte Sie: Welche Generationen sind hier gemeint? Ihr Satz besagt doch: Generationen von Deutschen haben böswillig Angriffskriege geführt und in ihrem Eroberungswillen fremde Länder und Städte zerstört. Die ausdrückliche Zusammenstellung „Schwert und Karabiner“ besagt: Hier sind nicht nur die letzten Jahrhunderte gemeint, in denen man mit dem Karabiner kämpfte, sondern auch frühere Zeiten, da man sich noch mit dem Schwert behalf.

Der Satz enthält damit eine ungeheure Anschuldigung und fordert die gesamte deutsche Geschichte vor ein Nürnberger Tribunal. Es wird Ihnen sehr schwerfallen, den Nachweis zu erbringen, daß wirklich „Generationen von Deutschen“ verheerende Angriffskriege geführt haben. Wäre es nicht besser gewesen, in einer klaren Formulierung auf eine bestimmte Generation hinzuweisen, deren geschichtliche Schuld tatsächlich unumstritten ist? Hans Norbert Mayer, Essen

„Generationen von Deutschen“ ... Nicht zu zählen sind die Familien, bei denen der Vater im Ersten Weltkrieg fiel, der Sohn im Zweiten Weltkrieg; und nicht selten war schon der Großvater 1870/71 in Frankreich geblieben. Sie alle „mußten“ ausziehen. Sie taten es gewiß nicht aus Freude am Kriegshandwerk – sie mußten nach Frankreich marschieren, gegen die Nachbarn im Osten kämpfen ... Heute aber können sie sich freiwillig entscheiden, in andere Länder zu gehen, um aufzubauen. Nur dies war mit jener Formulierung gemeint. Keinesfalls sollte damit ausgedrückt werden, daß es sich in allen Fällen um Aggressionskriege gehandelt hat – die ernsthafte internationale Geschichtsforschung ist sich längst darüber im klaren, daß diese Anklage nur für den Zweiten Weltkrieg zutrifft. DIE ZEIT