Die Kündigung des alten Interzonenhandels-Abkommens und die Aufnahme von Besprechungen über eine neue Vereinbarung hat in der deutschen und internationalen Presse eine allzusehr mit politischen Maßstäben arbeitende Kontroverse darüber entfacht, ob der von Bonn verfolgte Kurs zweckmäßig oder falsch ist. Diese Frage kann nur dann richtig beantwortet werden, wenn die bedeutsame Rolle, die der Warenaustausch mit der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin für die Zonenwirtschaft hat, genügend erkannt wird.

Die offizielle Handelsstatistik der sowjetisch besetzten Zone wird seit zwei Jahren ausschließlich in „Rubel“ ausgewiesen. Diese Umstellung beleuchtet das Ausmaß des Sowjetisierungsprozesses, der in diesem Teil Deutschlands im Jahre 1945 eingeleitet und seit der Gründung der sogenannten DDR im Jahre 1949 zielbewußt fortgesetzt wurde. Moskau sah in der Auflösung der politischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands von Beginn an ein Mittel, das Machtpotential des kommunistischen Lagers zu stärken und abzurunden. Zugleich sollte mit dem Ausbau einer militärischen und wirtschaftlichen Plattform im Herzen Europas auch das Sprungbrett für eine weitere Expansion nach dem Westen geschaffen werden.

Die Zonenwirtschaft ist aus der früheren engen Verflechtung mit den übrigen Teilen Deutschlands völlig herausgelöst worden. Der „innerdeutsche Handel“ – die Ostberliner Bezeichnung für den Interzonenhandel – ging auf einen Bruchteil seines ehemaligen Umfangs zurück. Wie stark der seit fünfzehn Jahren betriebene Rückbildungsprozeß ist, mag ein Vergleich des Westberlinhandels mit dem heutigen Interzonenhancel zeigen.

Der Warenverkehr zwischen dem Bundesgebiet und dem freien Berlin (2,2 Mill. Einwohner) hatte 1959 eine Höhe von 12,57 Mrd. DM, wovon etwa 2 Mrd. DM auf den Außenhandel entfielen. In den laufend ermittelten Zahlen des Berlin-Verkehrs ist der recht beachtliche Postversand noch nicht einmal enthalten. Ohne die Spaltung Deutschlands und ohne das Planwirtschaftssystem marxistisch-leninistischer Prägung in der Zone würde der Warenaustausch zwischen dem Bundesgebiet und Mitteldeutschland (Einwohnerzahl einschl. Ostberlin 17,3 Mill.), wenn man die Berlin-Relationen zugrunde legt, heute einen Umfang von schätzungsweise 80 Mrd. DM im Jahr haben. Tatsächlich erreichte der Warenverkehr zwischen dem Bundesgebiet und der Zone im Jahre 1959 eine Höhe von 1,7 Mrd. DM.