Drei Pläne, von denen nur einer sinnvoll ist

Von Rolf Zundel

Der NATO-Oberbefehlshaber Norstad hat sich in seiner letzten Rede vor der Versammlung der Westeuropäischen Union über ein Thema ausgeschwiegen, daß seine Zuhörer vor allen anderen interessiert hätte. Der General gab Einzelheiten über den Aufbau einer "NATO-Feuerwehr" bekannt, er erörterte die Verteidigungsstrategie des Westens, aber jenen Plan, den er eine Woche zuvor mit Verve verfochten hatte und der seitdem in den Hauptstädten des Westens leidenschaftlich diskutiert wird, erwähnte er mit keinem Wort: Vom NATO-Atompool sprach der General nicht mehr.

In diesem Atompool sollen, so sah der Plan vor, alle von den Amerikanern stammenden taktischen Atomwaffen in Europa eingebracht und einer gemeinsamen NATO-Kontrolle unterstellt werden. Bisher sind diese Waffen ausschließlich in amerikanischem Gewahrsam. Nur für die Mittelstreckenraketen mit Abschußrampen in England, Italien und der Türkei gilt das sogenannte "Zweischlüsselsystem".

Der Norstad-Plan für einen Atompool wird vielfach verwechselt mit Überlegungen, die gleichzeitig angestellt wurden und die darauf hinauslaufen, der NATO eine eigene Vergeltungsstreitmacht zu übergeben: Eine Flotte von zwölf Polaris-U-Booten. Neben der amerikanischen und englischen Vergeltungsstreitmacht – die im übrigen nicht dem Atompool einverleibt werden sollen – würde also eine dritte "striking force" entstehen.

Außerdem steht noch die zuvor erwähnte "NATO-Feuerwehr" zur Diskussion. Es wäre eine kleine, sehr bewegliche, mit taktischen Atomwaffen ausgerüstete Truppe. Über die NATO-Feuerwehr sind sich die Bündnispartner im wesentlichen einig, denn die Aufstellung einer solchen Truppe wäre ein Beitrag zur erhöhten Wirksamkeit der NATO. Über die beiden anderen Pläne jedoch gehen die Ansichten weit auseinander.

Kennedy zögert