R. S., Bonn, im Dezember

Etwa 4000 ägyptische und syrische Studenten studieren an den Universitäten und technischen Hochschulen der Bundesrepublik. Dazu kommen ungefähr 600 Studenten, die jeweils ein Jahr in Betrieben der Bundesrepublik praktizieren. Fast zwei Drittel aller im Ausland studierenden jungen Ägypter befinden sich in deutschsprachigen Ländern. Zur Vorbereitung dieser Ausbildung nehmen viele Ägypter schon in ihrem Land Unterricht in der deutschen Sprache. Dieses Jahr sollen es rund 8000 sein.

Diese kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sollen nun systematisch weiter ausgebaut werden. Vor einigen Tagen wurde in Bonn ein Abkommen zwischen der Vereinigten Arabischen Republik und der Bundesrepublik über die Errichtung eines Polytechnikums in Kairo-Heluan unterschrieben. Unterzeichner waren für die VAR der ägyptische Ministerpräsident und Erziehungsminister Kamal Eddin Hussein, für die Bundesrepublik Außenminister von Brentano.

Der Plan zur Errichtung dieses Polytechnikums würde vor einiger Zeit von deutschen Experten geprüft. Es wird vier Abteilungen haben: eine für Architektur, eine für Hoch- und Tiefbau, eine für Maschinenbau und eine für Elektrotechnik. Ungefähr 3000 Studenten werden dort gleichzeitig ausgebildet werden können; es werden 250 Lehrkräfte benötigt, die jetzt schon auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet werden. Seit dem Sommer dieses Jahres befinden sich 50 ägyptische Dozenten in Deutschland. Nach einer dreimonatigen Sprachausbildung im Goethe-Institut in München hospitieren sie nun an deutschen technischen Lehranstalten. Je 50 weitere Lehrkräfte werden von 1961 bis 1964 zu dem gleichen Zweck in die Bundesrepublik kommen.

Mit der Eröffnung des Polytechnikums wird für das Jahr 1962 gerechnet. Dann sollen 50 deutsche Lehrkräfte dort Unterricht erteilen. Die Bundesrepublik läßt sich ihre Mitwirkung an dieser Aufgabe etwa 14 Millionen Mark kosten.

Der Besuch des Ministerpräsidenten Hussein in der Bundesrepublik ist vor allem auf die Verstärkung dieser technisch-wissenschaftlichen Kontakte gerichtet. In Bonn sprach Hussein mit Vertretern der ständigen Konferenz der Kultusminister, des deutschen akademischen Austauschdienstes und der deutschen Forschungsgemeinschaft. Auch mit dem Bundespräsidenten unterhielt er sich über Fragen der kulturellen’Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Mit Arbeitsminister Blank besprach Hussein die Entsendung ägyptischer Abiturienten in die Bundesrepublik, wo sie als Spezialarbeiter ausgebildet werden sollen. Es soll sich um jährlich 1000 bis 2000 Schüler handeln. Auch mit Atomminister Dr. Balke sprach Ministerpräsident Hussein. Die Bundesrepublik ist bereit, der VAR bei der kernphysikalischen Forschung für friedliche Zwecke zu helfen.