Oder: Wie man Steuern spart

Von Gerd Bucerius

Sind Sie ein kleiner Unternehmer in der Bundesrepublik und schaffen Sie mit Fleiß, Mühe und Risiko ein Einkommen von 100 000 DM im Jahr? Sind Sie ein Filmschauspieler und hatte Ihr Film Erfolg? Sind Sie ein Schriftsteller und kommen jetzt – nach Jahren des Darbens – der Bestseller und damit vielleicht Einnahmen, die Sie auf die hohe Kante legen können?

Nichts da, was kommt, ist die Steuer! Sie läßt Ihnen das Leben, aber nicht viel mehr. Ersparnisse, um mehr Bücher in Ruhe schreiben zu können, ein paar moderne Maschinen, um dem international immer härter werdenden Wettbewerb standhalten zu können, das läßt Ihnen die Steuer nicht – es sei denn, Sie gehörten zu den ganz Großen.

Nicht alle zahlen

Wir haben einen Krieg verloren, wir müssen – und dies mit Recht – den Kriegsopfern hohe Renten zahlen und viel für die Wiedergutmachung des Unrechts an den Juden und den anderen Opfern des Nationalsozialismus tun (nebenbei auch Pensionen für prominente Nazis, mit denen wir 1945 zu glimpflich umgingen). Das alles kostet Steuern. Die Londoner Financial Times hat neulich ausgerechnet, daß die Deutschen unter allen westlichen Nationen die höchsten Steuern und Abgaben zahlen. Niemand bei uns ist stolz auf diesen Rekord, aber alle tragen mit an dieser Bürde der vergangenen Epoche, denn schließlich ist sie ja ein Teil des deutschen Schicksals. Alle? Wirklich alle?

In Lugano gibt es einen reizenden Flughafen mit einem schicken Hotel – sehr luxuriös. Eigentümer von Hotel und Flughafen ist der Textilfabrikant Müller-Wipperfürth, der in Deutschland seine Millionen verdient und der – weil ihm die Steuerfahndung aus Düsseldorf lästig wurde – jetzt in Lugano seinen Hobbies nachgeht. Nichts gegen seine zwei oder drei Flugzeuge; der Mann braucht sie ja, schließlich müssen seine Kinder jeden Tag von Lugano über die Alpen nach Zürich in die Schule geflogen werden.