Die AG der Dillinger Hüttenwerke in Dillingen/Saar, mit einem jährlichen Gesamtstahlausstoß von 760 000 t (ohne den Anteil an der Sollac „Société Lorraine de Laminage Continu“, deren Grundkapital sich zu annähernd einem Viertel im Dillinger Besitz befindet) die drittgrößte Hütte an der Saar, soll vornehmlich mit ERP-Mitteln zu einem der modernsten Werke Europas ausgebaut werden. Die nächstgrößeren Projekte stehen bei den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken in Völklingen und beim Neunkirchener Eisenwerk an, nachdem die Halberger Hütte und die ARBED in Burbach infolge ihrer internationalen Verflechtungen – vom politischen Geschehen unberührt geblieben – bereits in den vorangegangenen Jahren ihre Produktionsanlagen und damit ihre Marktchancen weitgehend verbessern konnten.

Bei Investitionen von nur etwa 8,5 Dollar je erzeugte Tonne Rohstahl 1952 bis 1956 hinkte die saarländische Hüttenindustrie, insgesamt gesehen, hinter der Konkurrenz beträchtlich nach, da die französischen Unternehmen in der gleichen Zeit 13,3 Dollar, die deutschen Werke immerhin 11,5 Dollar je Tonne investierten. Erst ab 1957 stand durch die Bereitstellung von Bundesmitteln sowie steuerlicher Erleichterungen auch für die saarländische Investitionstätigkeit das Signal auf Grün. Dennoch ist der Vorsprung der Konkurrenz nur sehr schwer aufzuholen. Im Bereiche der saarländischen Flachstahlproduktion ist ein ausgesprochener Engpaß vorherrschend. Die Gesamtproduktion der Saarhütten ist wegen ungenügender Investitionen und der mehrfach unterbrochenen Kontinuität als Folge der mehrfach wechselnden politischen und wirtschaftlichen Zugehörigkeit des Landes in der Nachkriegszeit längst nicht so stark gewachsen, wie die der Konkurrenz.

Die Dillinger Hütte will ein Mammut-Investitionsprogramm realisieren. Bis Ende 1961 sollen mit einem Aufwand von 110 Mill. DM vor allem die Hochöfen modernisiert und eine neue Sinteranlage gebaut werden; der bereits erstellte neue Hochofen mit Bandbegichtung ist der erste dieser Art im Bundesgebiet. Als Endziel soll ein Roheisenausstoß von insgesamt 1 Mill. t pro Jahr erreicht und damit die Stellung der Dillinger Hütte als Eisen- und Stahlproduzent an der Saar erheblich verstärkt werden. Daran anschließend sollen im Rahmen eines weiteren 100-Mill.-DM-Programms ein neues Stahlwerk und ein neues Walzwerk gebaut werden.

Die unvermindert lebhafte Nachfrage nach Blechen aller Art läßt für 1960 eine Erhöhung der Verkaufserlöse um mindestens 10 vH erwarten. Diese werden freilich durch unverhältnismäßig hohe Frachtkosten – als Folge der Randlage und des Fehlens leistungsfähiger Wasserstraßen – empfindlich geschmälert. Dillingen, wiewohl die übrigen Saarhütten fordern daher die Einführung von sogenannten „Als-ob-Tarifen“, als ob ein Wasserweg vorhanden wäre. W. G.