Alexis Saint-Leger Léger, der sich später als Dichter Saint-John Perse nennen sollte, wurde 1887 auf Guadeloupe geboren, genauer: auf einem dem Hafen von Pointe-a-Pitre vorgelagerten Eiland, Saint-Léger-les-Feuilles, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Als er dann zur Schule ging, weilte er häufig auf den Pflanzungen der mütterlichen Verwandten – Kaffee-, Kakao- und Zuckerplantagen. Früh lernte er reiten, früh nahm ihn der Vater, der ein leidenschaftlicher Segler war, mit auf das Meer hinaus. Diese Kindheit unter Menschen vieler Rassen, zwischen den Inseln, am Rande des Urwalds, am Fuß der Vulkane ist der unerschöpfliche Ursprungsbereich, aus dem das Werk des Dichters sich speist.

Mit elf Jahren kommt Alexis Léger nach Frankreich; er besucht das Gymnasium in Pan und studiert später in Bordeaux. Dort entsteht 1904 seine früheste veröffentlichte Dichtung „Bilder für Crusoe“: ein kleiner Zyklus über den heimgekehrten, gealterten Robinson, der in den üblen Dünsten einer europäischen Hafenstadt seiner Insel, ihrer Reinheit und Frische gedenkt.

Das Thema der Erinnerung ist hier noch sozusagen „romantisch“ gefaßt, die Haltung ist elegisch, die einzelnen Gedichte leben aus dem Kontrast zwischen erniedrigender Gegenwart und einem paradiesischen Einst, das der Beraubte vor seinem inneren Blick heraufbeschwört. Zuletzt wendet die Klage um das Verlorene sich in die eschatologische Hoffnung:

„Da schlugst du das Buch auf, und mit verbrauchtem Finger fuhrst du zwischen den Weissagungen entlang; den Blick dann ins Weite gerichtet, wartetest du, daß er käme, der Augenblick des Aufbruchs, die Heraufkunft des großen Windes, der dich losreißen würde auf. einen Schlag, wie ein Taifun, die Wolken. teilend vor der Erwartung deiner Augen.“

Was hier in Anlehnung an die christliche Überlieferung aufklingt, setzt sich später, ganz ins Hiesige gewendet, als das übermächtige Gegenthema zu dem der Erinnerung durch. Vorerst aber gilt es, die Beschwörung des Vergangenen von aller rückstrebenden Sehnsucht, aller unfruchtbaren Klage zu reinigen.

In dem folgenden Zyklus „Einer Kindheit zur Feier“ (1907) geschieht dies, unter Verzicht auf jeden Kontrast, durch immer neue Akte der Rühmung:

„O ich habe Grund! o ich habe Grund zu preisen! o schenkendes Märchen, o Tisch des Überflusses!“