Neu

Schießen Sie auf den Pianisten („Tirez sur le Pianiste“. Frankreich). François Truffauts neuer Film ist ein witziger und nihilistischer Kriminalreißer mit mindestens drei Toten. Das Messer im Rücken nach Kintoppart. Aber gleichzeitig nimmt er mit der rührenden Figur eines verkrachten Musikers im Milieu kleiner Leute und Gauner (in Charles Aznavour hat er einen Darsteller mit magischen Kräften) sein altes Thema von den zu kurz Gekommenen und durch die Lebensumstände Benachteiligten aus seinem ersten Film „400 Schläge“ (Les quatre cents coups) wieder auf. Er versucht, Tragik in die Farce zu mischen, und das geht schief. Bewundernswert und gefährlich ist das Feuerwerk eines Stilisten in diesem Film wie praktisch in allen der Cahliers-de-Cinema-Gruppe. Welch eine Verschwendung von Einfällen!

Nur wenige sind auserwählt („Song without End“. USA). Wer Klaviermusik liebt und gern erstklassige Wiedergaben von Liszt, Chopin, Beethoven, Wagner im Kino hört, wer gern internationale Konzerträume, die Darsteller von Virtuosen und adligen Damen, wie Liszt und die russische Fürstin Karoline von Saja-Wittgenstein sieht, der gehe in diesen CinemaScope-Film. Wer diese filmischen Künstlerbiographien – die wievielte von Liszt – nicht ausstehen kann, derbleibe ihnen fern. Zwei Regisseure: Charles Vidor, George Cukor.

Fast neu

Der Schrei (Il Grido. Italien). Ein seltenes Werk von filmkünstlerisch hohem Rang, das Vergleiche mit Fellinis „La Strada“ nahelegt. Regisseur: Michelangelo Antonioni. Italien im Nebel, keine Postkartenklischees.

Am Sonntag... nie (USA). In Griechenland gedrehte Version eines Lieblingsthemas der Filmindustrie. Melina Mercouri, die wir schon aus dem griechischen Film „Stella“ kennen, ist eine Prostituierte aus dem Piräus, die am Sonntag für klassische Tragödien schwärmt. Das Bousouki-Lied in dieser Satire auf den missionarischen Eifer der Reformer ist der Schlager der Saison. Regie führt Jules Damin (Rififi), der auch Hauptdarsteller ist.

Wahnsinn bis zum Untergang (Frankreich). 1. Teil „Von Pearl Harbour bis Hiroshima“. Ein authentischer Filmbericht vom 2. Weltkrieg im Fernen Osten.