Eine Untersuchung der Berufs- und Einkommenssituation der Frauen von heute

Von Rosemarie Winter

Strenggenommen, müßte es eigentlich befremdlich anmuten, daß überhaupt nach der Wertung von Frauenarbeit gefragt wird. Denn schon vor elf Jahren sah Artikel 3 des Grundgesetzes vor, daß Männer und Frauen gleichberechtigt sind und niemand wegen seines Geschlechtes benachteiligt werden darf. Die Stenogramme der Debatten um jenen Passus ergeben sogar ausdrücklich, daß damit für die Frau auch gleicher Lohn für gleiche Arbeit verbürgt sei. Das hat als einziges Bundesland später das Land Hessen auch wörtlich in seiner Verfassung niedergelegt und in Artikel 33 bestimmt: „Die Frau und der Jugendliche haben für gleiche Tätigkeit und gleiche Leistung Anspruch auf gleichen Lohn.“

Es ist längst klargeworden, daß der Gleichberechtigungsparagraph für die Frauen, denen er helfen sollte, auch mancherlei Erschwerungen mit sich gebracht hat. Und es ist im Grunde nur eine natürliche Entwicklung.

Hinzu kommt, daß in einer Marktwirtschaft Angebot und Nachfrage den Preis regeln und die Entlohnung nur bedingt eine echte Bewertung der geleisteten Arbeit darstellt. Das beweisen heute die überbezahlten Berufe, etwa der der Hausangestellten, wo die Nachfrage den Preis bestimmt, der damit ein reiner Marktwert geworden ist. Für die Masse der Arbeitnehmer ist das selbstverständlich graue Theorie.

Geschickter als Männer

Auch ein so versierter Betriebspsychologe wie Kurt Görsdorf ist der Ansicht, daß „durch Geld allein ein dauerhafter Belebungsreiz nicht gegeben ist“ und daß „nicht das Wieviel, sondern das Wie die Kardinalfrage der vom Gelde abhängigen Bildung des organisierten Umlaufs und Wirkens der Betriebsorganisation ist“. Aus dieser Sicht betont er dann auch: „Die Frau ist durchaus keine bloß unvollkommene männliche Arbeitskraft“, und er plädiert dafür, ihren Persönlichkeitsansprüchen Rechnung zu tragen, wenn man sie rationell einsetzen und damit voll anerkennen will.