Die "Kolonisierung" des sowjetisch besetzten Teil Deutschlands durch die beherrschende Macht und seine Einbeziehung in das zentralistische Planwirtschaftssystem des Ostens ist eine Tatsache. Hier spricht die Statistik für sich selbst: m Mill. Rubel 16455 1 14278 8 13704 9 Handel insgesamt davon Ostblock Handel "West" Handel Interzonenhandel 12524 0 10567 0 10064 0 2 097 8 2 105 4 2 086 9 1833 3 1605 7 1554 1 Wie aus diesen Zahlen hervorgeht, ist die Integration der Zolle mit den "sozialistischen Ländern" in den letzten Jahren immer weiter vorangetrieben worden. Der Anteil des Ostblockhandels (einschl. China) am Gesamtaußenhändelsumsatz der Zone (unter Einschluß des Interzonenhandels) stieg von 73 5 vH im Jahre 1957 auf 76 1 vH im Jahre 1959. Innerhalb des sowjetzonalen Außenhandels spielt die Sowjetunion eine dominierende Rolle. Sie lieferte im vergangenen Jahre Waren für 3878 Mill. Rubel und bestritt damit 48 5 vH aller Importe der Zone. Deren Ausfuhr nach der UdSSR belief sich auf 3766 Mill. Rubel, was einem Anteil von 44 3 vH an der gesamten Ausfuhr der Zone entspricht. Auch der Handel mit den drei nächstgrößten Handelspartnern der Zone, der Tschechoslowakei, Polen und der Volksrepublik China, hat sich in den letzten Jahren intensiviert. Diese drei Länder sind am auswärtigen Handel der Zone mit 3 3 Mrd. Rubel oder 20 vH beteiligt. Andererseits ist der Handel mit dem "übrigen Ausland", wie der "West" Handel der Sowjetzone offiziell heißt, in den letzten Jahren anteilmäßig immer mehr zurückgegangen.

Einfuhr Ausfuhr i n Mill. Rubel 1957 l 100 7 986 2 1958 l 193 8 911 6 1959 l 085 4 l 012 2 Der Anteil des Handels mit der freien Welt am Gesamthandel der Zone ist von 15 8 vH im Jahre 1956 kontinuierlich auf nur noch 11 7 vH im Jahre 1959 gesunken. Wie unbedeutend der Westhandel des Pankow Regimes ist, kann man daraus ersehen, daß die Ausfuhr der Zone nach 90 Ländern im vergangenen Jahre mit 253 Mill. Dollar ebenso groß war wie der Export der Bundesrepublik Deutschland nach einem einzigen Lande: Schweden.

Fast zwei Drittel des Westhandels der Zone entfallen auf die "kapitalistischen" Staaten Westeuropas und Jugoslawien. Aus zehn ausgewiesenen westeuropäischen Ländern importierte die Zone im Jähre 1959 (im Vergleich mit 1958) für 543 5 (666 3) Mill. Rubel, während sich die Ausfuhr auf 618 9 (503 9) Mill. Rubel belief. Wie unbedeutend der zonale Westeuropahandel ist, läßt sich daraus erkennen, daß sich der Export der Zone in diesen Raum auf 166 Mill. Dollar beläuft, während die Bundesrepublik Deutschland an die gleichen Länder Waren im Werte von 6 58 Mrd. Dollar, also das 40fache, lieferte.

Geradezu winzig ist der Überseehandd der Zone, trotz der seit Jahren gemachten Anstrengungen, in Amerika, Asien und Afrika Fuß zu fassen. Der Zonenexport nach nichteuropäischen Ländern hatte 1959 eine Höhe von 350 Mill. Rubel (87 5 Mill. Dollar). Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich der Überseehandel der Zone weitgehend auf einige wenige Länder konzentriert. Unter ihnen stehen Ägypten, die Türkei (die unter "Asien" ausgewiesen wird), Indien, Brasilien, Syrien und neuerdings Kuba im Vordergrund. Der Handel erfolgt unter vorwiegend politischen Aspekten. Besonders gern empfiehlt sich Pankow als Helfer in der Not dann, wenn einzelne Länder in Zahlungsbilanz- und Währungsschwierigkeiten gelangen.

Rund ein Drittel des Überseehandels der Zone entfällt — und dies ist zweifellos ein Politikum — auf die Vereinigte Arabische Republik. Klammert man dieses Absatzgebiet aus, so lieferte die Sowjetzone 1959 nach allen übrigen überseeischen Gebieten Waren im Werte von nicht meir als 58 Mill. Dollar. Im gleichen Jahr betrug die westdeutsche Ausfuhr in diesen Teil der Welt 4 04 Mrd. Dollar, also das Siebzigfache. Diese Relation macht deutlich, daß die Zone am Weltmarkt heute wie vor zehn Jahren eine unbedeutende Rolle spielt. Sie ist und bleibt ein Non Valeur, der seinen Partnern wenig zu bieten hat. Einige Länder, die das nicht von vornherein erkannten, haben dies zu ihrem eigenen Schaden erfahren müssen In den Handelsbeziehungen zwischen der Zone und asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Entwicklungsländern ist überhaupt keine Kontinuität zu erkennen. Nur die Länder, mit denen Pankow auf Geheiß Moskaus aus übergeordneten Gründen Handel treiben muß, können sich laufender Käufe durch die Zone erfreuen. Doch klappt es in diesen Fällen sehr häufig nicht mit den Gegenlieferungen. Eine lautstarke Propaganda zonaler Stellen sucht in der Öffentlichkeit oft den Eindruck zu erwecken, daß der Handel der Zone mit der kapitalistischen Umwelt sich günstig entwickle. Bekanntlich pflegt Pankow, ähnlich wie die Volksdemokratien, mit seinen Partnern im Westen Handelsvereinbarungen mit ausgehandelten Warenlisten abzuschließen. Das festgesetzte Warenvolurnen wird jedoch fast nie erreicht, so daß die Abkommen letzten Endes nur leere oder halbleere Hülsen sind. Das östliche Planwirtschaftssystem trägt in sich offenbar Hürden und Hindernisse die eine nennenswerte Ausweitung des HandelsVerkehrs mit Nicht Planwirtschaften nicht zulassen.

Während auf den "Westhandel" der Zone 12 8 vH des gesamten Außenhandels entfallen, stellt sich der Anteil des Interzonenhandels auf 11 1 vH. Aus dieser Gegenüberstellung wird ersichtlich, welche bedeutsame Rolle der, Warenverkehr mit der Bundesrepublik und mit Westberlin für die Zonenwirtschaft auch heute noch spielt. Auf ihn kann praktisch nicht verzichtet werden, und zwar um so weniger, als die Produkte, die von der westdeutschen Seite bezogen werden, als "harte" Waren für das Gedeihen der Zonenwirtschaft unerläßlich sind.

Unter den westdeutschen Lieferungen an die Zone nahmen im vergangenen Jahr Eisen- und Stahllieferungen, chemische Erzeugnisse, Maschinen und Fahrzeuge, Steinkohle und Koks, Stahlrohre und Draht sowie elektrotechnische Erzeugnisse — zusammen 70 vH der Lieferungen — den vordersten Rang ein. Die Bundesrepublik deckt den gesamten Einfuhrbedarf der Zone an Eisen und Stahl; bei einzelnen von der Zone verarbeiteten Stahlsorten beträgt der westdeutsche Anteil sogar 100 vH. Der Rückgriff auf die westdeutsche Industrie hat es der Zone bisher immer wieder möglich gemacht, plötzlich auftretende Produktions- und Versorgungslücken zu stopfen. Falls es einmal zu einem Ende des Interzonenhandels käme, könnten die Ostblockländer nur schwer in die Bresche springen, weder kurzfristig und wahrscheinlich auch nicht auf lange Sicht. Der Warenaustausch zwischen der Zone und den Volksdemokratien wickelt sich bilateral auf der Grundlage langfristiger Pläne ab, die während ihrer Laufzeit Änderungen kaum vertragen, weil sie ihrerseits Bestandteile langfristiger Produktionsplanungen sind Überschüsse oder Reserven sind in den Mangelwirtschafts Systemen des Ostens nicht greifbar. Hilfsversprechen, wie sie der sowjetische Ministerpräsident soeben in Moskau dem SED Sekretär Ulbricht gegeben hat, sind Propagandamanöver. Die Sowjetunion dürfte auf absehbare Zeit überhaupt nicht in der Lage sein, die speziellen Stahlerzeugnisse zu liefern, welche die Zone heute aus Westdeutschland bezieht, und noch viel weniger die zahllosen Ersatz, und Ergänzungsteile für den großen Teil des Maschinenparks der Zone, der aus westdeutscher Fertigung stammt.