Daß eine Komödie Anspruch auf „tiefere Bedeutung“ erhebt, braucht kein Fehler zu sein; sonst wären viele der besten klassischen Exemplare dieser Gattung verfehlt. Aber ein Lustspiel mit „Moral“ muß doppelt glaubwürdig sein; was ernst genommen sein will, muß zuerst einmal Wahrscheinlichkeit für sich haben. Daran aber mangelt es der so überaus amüsanten, seit der Edinburgher Uraufführung 1953 viel gespielten Gesellschaftssatire „Der Privatsekretär von T. S. Eliot. Mit diesem Stück will der feinsinnige englische Dichter dartun, daß „nur wer weiß, wer er ist, auch wissen kann, was er sein soll“. Es ist ein höchst munteres Konversationsstück, worin bei vorgeschrittener Handlung die drastischen Pointen nur so hageln, und es war ein glücklicher Gedanke, es als Hörspiel zu bearbeiten (Gemeinschaftsproduktion des Bayerischen Rundfunks und des WDR ; Funkbearbeitung und Regie: Ludwig Cremer).

Eigentlich gibt es zwei Privatsekretäre: den alten, durch dessen Rücktritt die Dinge in Fluß kommen, und den neuen, jungen, dessen Schicksal dabei zur Debatte steht und geklärt wird. Das Unwahrscheinliche an der Sache ist, daß es in der ganzen Familie nur illegitime Kinder gibt, sogar sehr viele. Sie sind lange miteinander bekannt, ohne daß vordem einer vom Geheimnis der anderen wußte. So verblaßt die „tiefere Bedeutung“ durchaus hinter dem bloßen Schwank, den eine erlesene Besetzung – darunter Mathias Wieman, Elisabeth Flickenschildt, Hermann Schornberg und Klausjürgen Wussow – schmackhaft zu machen verstand. A-th

Fernöstliche Bullen

Deutsche Kühe sind seit geraumer Zeit nicht mehr kunstwürdig, das Rindvieh muß fernöstlichen Ursprungs, sein, um uns filmisch noch imponieren zu können: Selbst der ödeste Bulle nimmt uns für sich ein, wenn er nur so recht was Asiatisches an sich hat. Das läßt sich einsehen; dem fernsehgesendeten japanischen Kulturfilm „Das Tal des Regenbogens“ nach zu urteilen sind die Stiere in Nippon bei aller Urgewalt recht umgänglich und bringen es mitunter zu zärtlichen Freundschaften mit ihren Hütejungen. Natürlich kommt es zuweilen zu Zerwürfnissen, Befehlen gegenüber können sie auch störrisch sein, bei rauher Behandlung sind sie leicht gekränkt, und dann sehen sie so aus, als wollten sie gleich Harakiri machen. Diesmal aber ging die Sache gut aus, nach Tausenden von Filmmetern retteten sich Bulle und Hütejunge gegenseitig aus wildschäumenden Gebirgswassern. Am Schluß des nützlichen Filmimports waren nicht nur die Mitwirkenden erschöpft.

Photographien war der vielfach preisgekrönte Streifen übrigens mit dem bewährten japanischen Raffinement. lupus

Dreimal Berlin

Manchmal hat man das Gefühl, das Thema Berlin sei für den Rundfunk so etwas wie ein Pflichtpensum; nicht, weil man seiner überdrüssig wäre (faszinierendere Städte gibt es bei uns wohl kaum), sondern weil es in mancherlei Darbietungen den Anschein hat, dies gebe einmal wieder Gelegenheit, sich seines schlechten Gewissens zu entledigen. Oft ist der Cocktail, der dann drahtlos dargereicht wird, ein Sirup voll zährenreichen Sentiments.