Ist es die Aufgabe des Literaturteils einer Zeitung sachliche Nüchternheit und wissenschaftliche Präzision anzustreben, soll etwas mehr Farbe ins Bild kommen, oder soll Farbe bekannt werden? So hatten wir gefragt – und um ein gutes Beispiel zu geben, hatten wir vier ZEIT-Artikel zur Kritik angeboten. Daß da irgendwo ein Wespennest voller Ressentiments liegt, ist jedem klar, der mit Literaturkritik zu tun hat. Daß manche Wespen – falls das Bild erlaubt ist – so, wild um sich stechen würden, übertraf unsere Erwartungen und stellte uns wiederholt vor die bange Frage: Leisten wir der deutschen Literatur (um die es am Ende ja geht) einen Dienst damit, wenn wir das drucken? Schließlich hielten wir es doch für richtig, auch die schärfsten Attacken noch gelten zu lassen, wo einigermaßen zivilisierte Umgangsformen gewählt blieben. Wir konnten daher, mit einer Ausnahme, alle Beiträge unverändert und im vollen Wortlaut bringen – obwohl viele davon unseren eigenen Auffassungen heftig widersprechen. Aber das ist ja schließlich der Sinn des ganzen Unternehmens.

Und der jetzt hinlänglich exponierte Professor könnte, vom Katheder lassend, dem heimlichen Wunsche endlich frönen, Kritiker zu sein. Denn eine Kritik ohne die Korrektur durch das Akademische gibt es so wenig, wie eine lebensvolle akademische Beschäftigung außerhalb des Zeitgenössischen. Aber Kritik muß es sein, keine Wichtigtuerei, die Mayer (gemeint ist nicht der Kollege, sondern das Genus, welches ebensowohl Müller heißen könnte) zwischen Diderot und Herder stellt und sich durch diesen bloßen sprachwidrigen Akt für Lessing setzt, aber Meier, Maier, Meyer, Mayer bleibt.