Der Geschäftsverlauf der westdeutschen Zuckerindustrie ist im Wirtschaftsjahr 1959/1960 einmal durch die Beschränkung des Zuckerabsatzrechts für den Inlandsbedarf auf 85 vH der im Geschäftsjahr 1958/1959 erzeugten Weißzuckermenge und zum anderen durch einen Rückgang des Zuckerabsatzes im Bundesgebiet um schätzungweise 40 000 t auf 1,53 Mill. t bestimmt worden. Dieser Verbrauchsrückgang entstand durch das Fehlen des Weinzuckerbedarfs für die Weinernte 1959, durch die geringe Steinobsternte, die den Absatz von Haushaltszucker, entsprechend minderte, und durch die weiterhin zunehmenden Süß Wareneinfuhren.

Die Beschränkung des Zuckerabsatzrechts traf bei der Südzucker-AG im Geschäftsjahr 1959/1960 (30. Juni) zusammen mit einem außergewöhnlich hohen Zuckergehalt der Rüben in ihrem Einzugsgebiet. Dieser war mit 18,4 vH der höchste seit Bestehen der Gesellschaft und lag noch um ein Prozent über dem Stand des Jahres 1953/1954. Ausgehend von einem normalen Zuckergehalt hat sich jedoch nach den Feststellungen der Gesellschaft im Berichtsjahr gezeigt, daß die Kapazität der Werke Rain und Regensburg nicht ausreicht, um bei entsprechend dem Absatzrecht größeren Rübenmengen überlange und damit risikovollere Verarbeitungszeiten vermeiden zu können. Deshalb wurde im Frühjahr 1960 mit dem Bau des zehnten Werkes der Gesellschaft, der Fabrik Plattling, begonnen.

Entsprechend dem hohen Zuckergehalt verminderte sich die von der Südzucker 1959/1960 verarbeitete Rübenmenge gegenüber dem Vorjahr um 23 vH von 33,7 auf 25,7 Mill. dz (zur Erfüllung des Absatzrechtes hätten schon 25,2 Mill. dz genügt), für deren Erwerb 247,9 Mill. DM aufgewendet wurden nach 274,1 Mill. DM im Jahr zuvor. Die Zuckererzeugung verminderte sich entsprechend der Kürzung des Absatzrechts von 4,81 auf 4,29 Mill. dz. Sie entsprach damit etwa dem Zuckerabsatz, der von 4,11 auf 4,29 Mill. dz gesteigert wurde. Darüber hinaus konnte die Südzucker aber auch irren Zuckerüberhang aus dem Vorjahr von rund 700 000 dz auf rund 200 000 dz abbauen, da durch die schlechte Ernte nach Nordrhein-Westfalen 300 000 dz geliefert werden konnten und die Gesellschaft auch zur Erhöhung der Senatsreserve in Berlin mit rund 34 000 dz herangezogen wurde. Erstmals wieder konnte die Südzucker überdies rund 228 000 dz nach Frankreich und in die Schweiz exportieren, allerdings wegen der Differenz zum (niedrigeren) Weltmarktpreis nur in Verbindung mit Re-Importen. Durch diesen zusätzlichen Absatz – der Gesamtumsatz stieg um 5,7 vH von 470 auf 497 Mill. DM – wurde der Betriebsertrag trotz geringerer Zuckererzeugung gehalten und ein neuerliche Abwertung der Fertigwaren, die noch im Vorjahr das Ergebnis belastet hatte, vermieden. Die Gesellschaft schlägt daher ihren Aktionären neben einer unveränderten Dividende von 12 vH eine Erhöhung des Bonus von 2 auf 3 vH vor. C. D.