G. Z., Mannheim

Seine Familie und er seien von der Ehrung wirklich ehrlich überrascht gewesen, meinte Theodor Eschenburg, als ihm am Dienstag der Schiller-Preis 1960 der Stadt Mannheim verliehen wurde. Der so vielen Prominenten soviel Unangenehmes sage, habe eigentlich wenig Chancen, öffentlich ausgezeichnet zu werden.

Nach dieser Einleitung gab der Tübinger Ordinarius für Politische Wissenschaften eine Probe seiner Art, "Prominenten Unangenehmes zu sagen". Vor der Mannheimer Stadt-Prominenz, die in feierlichem Schwarz zum festlichen Verleihungsakt gekommen war, analysierte er die "Ämter-Patronage" (siehe Seite 3), und dies so treffend, daß man sich im Publikum leise zulächelte. Vielleicht waren es nicht wenige, die auf eben jene Art, wie sie Eschenburg skizzierte, zu den Posten gekommen waren, die sie an diesem Abend repräsentierten. Eschenburg sprach von der allgemeinen Übung der Parteien, die Versorgung ihrer Funktionäre und Getreuen durch Einstellung in den öffentlichen Dienst zu sichern – eine Art der Ämter-Patronage, die dem Staat (und der Stadt) sehr wenig nützlich sei.

Diese seine Arbeit der kritischen Betrachtung öffentlicher Einrichtungen, versicherte Eschenburg seinen Zuhörern, bringe viele persönliche Ärgernisse mit sich. Nun, die Mannheimer bereiteten dem Kritiker Eschenburg kein Ärgernis. Nach dem Festvortrag über die "Ämter-Patronage" entzogen sie ihm nicht etwa die Auszeichnungsurkunde, sondern klatschten fleißig Beifall – auch die Ämterinhaber.