Der Realität näher kommt die viel zitierte Lohnstatistik des Statistischen Bundesamtes, wenngleich auch diese historischen Anspruch erheben kann; denn die jüngste dieser Art stammt aus dem Jahre 1957. Dort kann man feststellen, daß die 257 erfaßten Arbeiter der Leistungsgruppe 3 des Bekleidungsgewerbes, die im Zeitlohn arbeiten, einen monatlichen Bruttoverdienst von 377 DM hatten. Die 3713 Frauen dagegen, die in derselben Gruppe dieses ausgesprochen weiblichen Gewerbes arbeiten, verdienten nur 284 DM, wohlgemerkt im Zeit-, nicht im Akkordlohn. Wenn man sich dem zweiten Heer berufstätiger Frauen, jenem der Angestellten, zuwendet, so kann man ähnliches erfahren. Auch für die Angestellten gibt es natürlich Durchschnittszahlen. Sie besagen, daß der männliche Angestellte 1959 im Durchschnitt 685 DM brutto verdiente, während die weibliche Angestellte nur 397 DM erhielt.

Auf der 53. Internationale der Gewerkschaften wurde festgestellt: „In Deutschland ist die Frau, als Arbeitnehmern gleichberechtigt, und grundsätzlich erfolgt auf Grund dieser Gleichberechtigung auch für die gleiche Tätigkeit die gleiche Bezahlung. Diesen anerkannten Grundsätzen widerspricht dagegen noch weitgehend die tatsächliche Bezahlung der weiblichen Angestellten. Es gibt immer noch Differenzen, die sich auf Grund der Tatsache, daß die Altersstruktur der Frauen als Arbeitnehmer eine andere ist als die der männlichen Arbeitnehmer, schwer messen lassen. Wir schätzen, daß die Bezahlung der Frauen bei sonst gleichen Voraussetzungen durchschnittlich 10 vH geringer ist als die der männlichen Angestellten.“

Als Grund für diese unterschiedliche Entlohnung bei Mann und Frau wird in der Regel angeführt, daß der Arbeitgeber heute auch die persönliche Situation seiner Arbeitnehmer berücksichtigen müsse: Der Mann hat Familie, er muß also für mehrere sorgen, die Frau steht allein oder sorgt nur zur Hälfte für eine Familie. Sind diese Argumente eigentlich stichhaltig?

Ein Arzt und ein Psychologe im süddeutschen Raum haben festgestellt, daß mehr als die Hälfte berufstätiger Mütter nur auf Grund echter Bedürftigkeit berufstätig ist. Und der Umfragetest des RKW ergab ebenfalls, daß fast dreiviertel aller befragten verheirateten Frauen bei Arbeitern und Angestellten mitverdienen, weil es notwendig sei.

Selbstverständlich können sich für den Arbeitgeber dabei Grenzsituationen ergeben, wie dann z. B., wenn es gilt, eine Ingenieurin einzustellen. In diesem Falle tendieren heute die Mehrzahl der Betriebe dahin, dem weiblichen Ingenieur von vornherein ein effektiv geringeres Gehalt anzubieten als dem männlichen Berufsanwärter; denn die Frau kann ja in wenigen Jahren heiraten, und vielleicht gerade dann, wenn sie durch entsprechende Praxis für den Betrieb wertvoll geworden wäre. Nicht alle sind aber bereit, der Ingenieurin dann, wenn sie bleibt, eine entsprechende Gehaltsaufbesserung zu gewähren.

Das Rationalisierungskuratorium der Wirtschaft sagt dazu; „Akademikerinnen sind in den meisten Fällen in Stabsstellen eingesetzt, aber nicht führend in die Hierarchie des Betriebes eingeschaltet. Nur in seltenen Fällen sind sie im eigentlichen Sinne Führungskräfte.“ Mit anderen Worten: Die gleichberechtigte Behandlung der arbeitenden Frau wird im Rahmen der Angestelltenberufe nicht nur durch geringere Bezahlung, sondern auch durch geringere Aufstiegschancen beeinträchtigt.

Die Sekretärin...