Im Kittchen ist das Radio aus

RH-Hamburg

Der moderne Strafvollzug kennt moderne Methoden und Mittel. Dazu gehört, daß die Gefangenen wenigstens unter einigen der Plagen leiden, denen der Freie ausgesetzt ist. Jedoch sind dies „Vergünstigungen“.

Hat einer gefügig und brav die erste Zeit im Gefängnis hinter sich gebracht und es verstanden, seine Verwahrer zu überzeugen, daß er auch brav und gefügig bleiben wird, dann darf er in eine halboffene“ Anstalt umziehen. Zum Beispiel nach Neuengamme in Hamburgs Umgebung.

Daselbst erwarten den Gefangenen außer frischer Luft noch andere Vergünstigungen. Er wohnt nicht allein in der Zelle. Er hat ein Zimmer mit anderen, die auf dem Wege der Besserung sind. Und sie brüten nicht etwa stumpf vor sich hin – sie dürfen Radio hören.

„Von morgens sechs bis abends zehn lief da das Radio“, erzählt der zweiundzwanzigjährige Walter dem Richter. „Das konnte ich einfach nicht mehr aushalten. Abstellen kann man das Ding nämlich nicht. Das machte mich ganz verrückt.“

Walter ersuchte den Anstaltsleiter, ihm die Vergünstigung, die ihn verrückt machte, zu entziehen und ihn ins feste Gefängnis zurückzuschicken. Der lehnte es ab. Die Beförderungsstation Neuengamme ist eine obligatorische Wohltat.