DIE ZEIT hatte einige jener Schriftsteller, die sich gegen das von Bonn vorbereitete „Zweite Fernseh-Programm“ mit der Erklärung gewandt haben, sie würden niemals dort mitarbeiten, gebeten, uns die Gedanken mitzuteilen, die zu diesem Entschluß geführt haben. Wir veröffentlichen die wesentlichen Absätze ihrer Antworten.

Das Deutsche Fernsehen, überparteilich und sachlich, hat seine Hiebe bisher immer nach beiden Seiten verteilt: Gewerkschaften und Bundeswehr, Regierung und Opposition wurden in gleicher Weise beleuchtet. Das sollte so bleiben, und ich meine, man müßte Praktiken vermeiden, die, diktatorischen Methoden folgend, das demokratische Wechselspiel zu zerstören drohen.

Selbstverständlich würde ich mich, als Demokrat, gegen die Institution des Zweiten Fernsehens in der gleichen Weise zur Wehr setzen, wenn die Regierungspartei SPD hieße; ich wäre nicht minder empört als jetzt, wenn der Kanzlerkandidat der Sozialdemokratie auf dem Bildschirm Gelegenheit bekäme, seine Gegner Tag für Tag als Untergangs-Inauguratoren zu geißeln und ihnen mit hybriden Worten die Daseinsberechtigung zu bestreiten. Es geht hier nicht um SPD oder CDU. Es geht um die Demokratie. Es geht darum, daß die riesige Distanz, die uns vom „Neuen Deutschland“ und der SED trennt, um keinen Zentimeter verringert wird.

Wer aber, als christlicher oder sozialistischer Demokrat, das Zweite Fernsehen bejaht und nicht zugleich auch einen Oppositions-Sender befürwortet, muß das Wort „demokratisch“ aus dem Namen seiner Partei eliminieren. Es ist um uns alle geschehen, wenn das audiatur et altera pars nicht mehr gilt. Walter Jens

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Meine Meinung ist: Mögen sich die Herren Schröder und Globke anderswo kulturelle Verzierungen für ihre gewalttätigen Absichten suchen! Solange da noch ein Sender im Land steht, der nicht unter ihrer Kuratel, sondern unter den Augen der Öffentlichkeit arbeitet, solange wollen wir die Partie nicht verlorengehen.

Die letzte Gleichschaltung in Deutschland ist noch keine dreißig Jahre her. Schriftsteller werden die nächste nicht verhindern. Heißt das, sie sollten sich an ihr beteiligen? Ich glaube nicht. Deshalb habe ich die Erklärung unterschrieben.