K-a, Frankfurt

Die Lieblingsidee des hessischen Kultusministers, Professor Schütte das pädagogische Institut in Jugenheim (Bergstraße) aufzulösen und in Frankfurt an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität eine Hochschule für Erziehung zu errichten, findet bei den Frankfurter Studenten wenig Gegenliebe. Nicht weil sie ihre im Frühjahr 1961 zu erwartenden Kollegen als zweitrangig betrachten, sondern weil sie es einfach satt haben, in der Mensa, in den studentischen Wohnheimen und bei den Zimmerwirtinnen noch mehr Konkurrenz zu bekommen.

Mit recht deutlichen Argumenten forderte das Studentenparlament in der konstituierenden Sitzung nach den Sommerferien in einem Memorandum an das hessische Kultusministerium „die Verlegung der Eröffnung der zum Frühjahr geplanten Hochschule für Erziehung an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität um vier bis fünf Jahre“. Wenn mit den tausend Studenten der Hochschule die Zahl der in Frankfurt Immatrikulierten auf rund zehntausend ansteige, „würde zu chaotischen Zuständen in den sozialen Einrichtungen führen“.

Und dies sind ihre Argumente: Die Kapazität der Universität liegt nach einem Gutachten des Wissenschaftsrates bei achttausend Studenten Nach einer Studie des Bundesinnenministeriums ist aber bis Ende 1965 mit einem weiteren jährlichen Zuwachs von tausend zu rechnen. Nach dem „Düsseldorfer Wohnheimplan“ sind für dreißig Prozent – der ASTA meint, es werden jetzt wohl fünfzig Prozent sein – der Studierenden Wohnheimplätze nötig. In Frankfurt stehen im Frühjahr erst 465 Plätze zur Verfügung. Das Angebot von Privatzimmern ist seit 1956 um vierzig Prozent gesunken, die Nachfrage um vierzig Prozent gestiegen. Die Durchschnittspreise sind von vierzig auf achtzig bis neunzig Mark gestiegen.

Eine Untersuchung über die Mensabetriebe schließlich, die im März 1959 durchgeführt worden war, stellt fest, daß diese mit 420 Sitzplätzen und drei Stunden Öffnungszeit täglich etwa 2200 Mittagessen ausgeben kann. Fünfzig Prozent aller Studenten, über 4000 also, würden gern in der Mensa essen. Aber bei Wartezeiten bis zu zwanzig Minuten, bei den unzulänglichen Sitzgelegenheiten und schlechter Entlüftung ziehen sie es vor, in Gaststätten zu essen. Alle in der Umgebung liegenden Restaurants sind überfüllt.

Eine neue Mensa ist den Frankfurter Studenten zwar zugesagt, die Planungen sind auch abgeschlossen, aber wenn die Hochschule für Erziehung ihre Pforten öffnet, wird man noch nicht einmal mit dem Bau begonnen haben. Die Mensa für die Hochschule ist noch nicht einmal geplant.

Auf diese recht konkreten und mit den für Studenten unerläßlichen Quellenangaben versehenen Zahlen, die durch einen persönlichen Brief des Rektors an das Ministerium unterstützt wurden, hat jetzt der Minister nicht ganz so konkret geantwortet. In Anbetracht des Lehrermangels wäre es unverantwortlich, die Eröffnung der Hochschule für Erziehung um Jahre zu verschieben, erklärte er. Das erfreulich große Interesse junger Menschen am Lehrberuf haben zu einer so starken Zunahme der Studentenzahl geführt, daß die bestehenden Institute in Jugenheim und Weilburg an der Lahn weit über ihre Kapazität hinaus belastet seien. Es sei ihm verständlich, daß durch die Eröffnung der neuen Hochschule in Frankfurt für die anderen Studenten Härten entstehen würden. Diese Schwierigkeiten wolle er aber nach Kräften, notfalls durch provisorische Lösungen, beheben. Die Mensa werde im Frühjahr gebaut, für ein Wohnheim stünden öffentliche Mittel bereit. Bis dahin wolle man mit den umliegenden Gaststätten Pauschalverträge schließen.