Spaltet Europa den Schwarzen Erdteil? – Problem für die EWG

Von Hans Gresmann

Brüssel, im Dezember

Eine Meldung lief dieser Tage durch die Zeitungen, die auf den ersten Blick kaum anders als rein wirtschaftliches Interesse zu beanspruchen schien. Die von der Brüsseler EWG-Kommission vorgesehene Zollsenkung für tropische Produkte um insgesamt 50 Prozent werde – so hieß es in der Meldung – am 1. Januar nicht verwirklicht werden können. Die Vertreter der Bundesrepublik und Hollands hätten sich im Ministerrat der EWG gegen diese Lösung ausgesprochen.

Nun gut, es bleibt also bei den alten Zöllen für so verlockende exotische Dinge wie Bananen, Ananas, Kaffee, Vanille, Gewürznelken, Muskatnüsse und Kakaobohnen. Das ist gewiß wichtig für die Importeure, vielleicht auch ärgerlich für die Hausfrauen. Aber kaum jemand, der die Meldung gelesen hat, mag sich darüber klargeworden sein, daß hinter dieser lapidaren Information eine Frage von großer politischer Bedeutung steht – nämlich die, ob Afrika, der Kontinent der jungen Nationen, künftig womöglich in Wirtschaftsblöcke aufgeteilt wird.

Assoziierung – die neue Formel

Wieso diese Gefahr besteht, wird deutlich, sobald man die Tatsache beleuchtet, daß bestimmte afrikanische Staaten von den sechs Ländern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft Zollvergünstigungen erhalten werden, andere nicht. Der Grund dafür ist in der EWG-Geschichte zu suchen. Blättern wir also ein paar Jahrgänge in dieser Historie zurück, um zu klären, was die EWG-Kommission, was „Europas Brüsseler Spitze“, denn überhaupt mit Afrika zu tun hat.