Die „Komik“ beruht in speziell diesem Abschnitt darauf, daß Stanislaus einerseits den Schwestern Ermahnungen über keusche Lebensführung zuteil werden läßt, die sich ihm jedoch, da er andererseits schwer dabei ist, Schwägerin Nora zu verführen, im Munde unwillkürlich zu sentenziösen Zweideutigkeiten verkehren; man muß beim Nachlesen sorgsam beachten, wen er jedesmal apostrophiert.

Also man schreibt „holy Januarius“; James ist abwesend, es wird von seinem „return“ gesprochen. „Jaunty Jaun“, so heißt unter anderem Stanislaus hier, sitzt, ganz Masthahn im Korbe, am häuslichen Herd, „the graven image of his squarer self“, „das ernst-eingegrabene Bildnis seines stämmigeren Selbst“; er, der „großmäulige Postschreiber“, der „butterblonde Friedenswärtel“, und „weit und breit, so groß wie er leibhaftig war, war er berüchtigt für seine humane Behandlung jeglicher Art von mißbrauchter Fußbekleidung“ (das war nämlich zeitlebens auch so etwas für James Unbegreifliches, wie jemand sich waschen und seine Kleidung betreuen könne!).

So also sitzt dort der „Poliziste Sigurdson“, der „Bär, der Bulle, der König der Bullen, der Knappe Sir Humpty-Dumptys“, und „murmelt absurd in seinem teutonischen Die-a-leckte“. Er trägt, wer hätte es anders erwartet, „einen Hut mit verstärkter Kappe“; schält an Apfelsinen herum; umspielt von den „Schaltjahrmädchen“, die ihm „gefühlig den vollen-fetten Wanst klopfen“; denn er wirkt „wie ein junges Bürschchen von sechzehn; obwohl sie an seiner Mannheit herum-herausfühlten, daß er der hinreißendste Ladykiller war“, dieser Jaun, der eben dabei ist, „das reinste aller Wesen zu werden, die je Mann und Mensch genannt wurden.“

Einerseits also visiert er durch sein aufgerichtetes „Eroskop“ „Schwester Izzy“ = Nora an, andererseits ermahnt er dröhnend die Schwestern: „Laßt nie auch die allerversprechendste Hand sich Freiheiten herausnehmen mit euren ein-magdlichen Heiligtumen!“; „Gebt ja alle gestohlenen Küsse gleich zurück!“; „Wenn man euch kitzelt, sagt nichts oder nickt lediglich!“; „Liebe?“ – nun ja; aber „schwesterlich-brüderlich; nur durch die natürlich üblichen Kanäle, die zuvor entsprechend zu desinfizieren sind; und überhaupt nur in Gesellschaft eines ‚husband-in-law‘, eines ‚Schwiegergatten‘.“

Und er wendet sich an die Schwägerin:„Sissy-Dear“, flüstert er: „Nur einen Rumtreiber hast du am Hals, der von Zobel-Stolen schwadroniert!“ „Laß dich doch scheiden“, empfiehlt er ihr: „Divorce into me!“ Ihn, den Gewissen, mach ich fertig: „Von Stund an ist er ein Gezeichneter! Ich werd ihm sein Außenseiter-Gesicht schon einhauen! Ich werd dem schwanken Rohr schon sein Schreibrohr steif machen! Hol mich dieser und jener, wenn ich den vom Bruder Gehüteten nicht dem ersten-besten Polizei-Bobby übergebe, der mir über’n Weg läuft... Vielleicht nehm ich auch das in mein Programm auf, daß ich ihm, dem vollkommenen Fremden, eins versetze, und dann die Straße mit ihm fege. Ich muß mich nur beherrschen, daß ich dir, Liebling, um deinetwillen, deinen Scharlieh nicht plattschlage; und ihn, vor der ihm zugemessenen Spanne Zeit, in die ewige Heimat spediere!... Der Bube, mit seinem Zahnbürsten-Bärtchen! Der alle Wochen ’ne neue Wohnung mietet, und die Möbel auf Pump dazu – gottlob hab ich das entsprechende Paar Arme am Leibe!“

„Du aber füllst in meinem Herzen, diesem unverdorbenen Sitz reiner Zuneigungen, eine mächtige Ecke aus: Ich begehre dich! Krönen wir unsere Vereinigung doch durch die Adoption der Kinderlinge... Was meinst du denn damit: ich wär kein hiesiger Staatsbürger? Und wie magst du bloß denken, ich wär ein böser Heide! Ich weiß mir doch nichts Besseres, als hier zu weilen, wo ich bin; bei meinem Gemäß bräunlichen Tees, Pipette!... Anschließend verfolge ich, durch mein aufgerichtetes Teleskop, den Mond, wie der da so in Westen dahinkollert... Oder, wenn mir meine eigene Gesellschaft die liebste ist, dann sitz ich da, bei Apfelsinen und Bier, auf die Chaiselongue zurückgelehnt, meine Pfeife im Gesicht, die Nüstern gekitzelt vom wohltuenden Latakia ... Erst werd ich alle notwendigen Examina ablegen, mine shatz; und dann cash-cash und cash-again. Wie werd ich dich verwöhnen, du! In den luxuriösest möblierten Zimmerfluchten; in sybaritischen Kämmerchen, mit elektrischen Ottomanen, meine Gizzygazzy... ein Töff-Töff für dich, Missi-Missi für mich ... : oder wie war’s mit Johannesburg? Denk an die Diamanten dort!“ Aber plötzlich, „rascher denn Merkur in seiner Bahn, fährt er wiederum-herum und blitzt die Schwestern aus seinen Sternen-Ritzen an, schwärzlichen Donnergesichts“; tcha, und dann geht es eben fürder, „ring-a-ring-a-rosy“, endlos und krankhaft, buchstäblich „von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt“.

Ab Seite 457 plätschert dann Tizzy – Penelopegleich, wie im Odysseus gehabt – dahin: „Ich weiß ja, Benjamin-Brüderchen; aber hör, ich will meine Wünsche nur wispern... natürlich ist mir bekannt, wie hochgebildet du bist; und so bedachtsam in deiner ganzen Art... wie lieb von dir, daß du dir meine Strumpfgröße gemerkt hast!... Du liebster Bursch-meiner-Träume; und wo ein gewisser Old-Somebody sich grade nicht in der Nähe hier rumtreibt... ach ja, Pet, wir waren zu glücklich, vierzig Tage und vierzig Nächte lang ... Paß dir nur immer auf, daß du dich niemals erkältest; hoffentlich hör ich bald wieder von dir... Und, selbstverständlich, liebstes Professorchen, ich begreife durchaus alles: natürlich werd ich andere Namen verwenden: ach, mein süßes Schweinchen, wird er wütend sein!... Heliotrop hab ich schon immer so gerne gerochen...“ In dieser Art geht es bis Seite 462.