Leider bricht Meines Bruders Hüter ab, bevor die zur Entschlüsselung gemäß Lesemodell II allwichtigen Triestiner Jahre erreicht sind; folglich muß es eines der dringlichsten Anliegen nicht nur der Joyce-Forschung, sondern der Literaturgeschichte überhaupt sein, die meines Wissens noch erhaltenen Tagebücher des Stanislaus Joyce zugänglich zu machen. Vermutlich wird dies „unverarbeitete Material“ noch weit bedeutsamer und in jeder Beziehung wichtiger sein, als alle bisher vorhandenen „Biographien“ und „Studien“: dazu ist die Zeit noch längst nicht gekommen!

Faber & Faber planen, soweit ich im Bilde bin, einen Band dieser Tagebücher herauszubringen; allerdings nur das bei der Cornell-Universität befindliche Fragment der Jahre 1902–04; wodurch wiederum die Ereignisse und Kulissen des Wake unerfaßt blieben; denn Stanislaus kam erst im Oktober 1905 nach Triest. Möge es gelingen, die noch in Familienbesitz befindlichen späteren Aufzeichnungen zumindest dem Forscher zugänglich zu machen, bevor die nächste Große Zeit sie endgültig verweht – was freilich ein „Verständnis“, auch eine Selbstverleugnung aller Beteiligten erforderte, wie sie auf unserer bewohnten Welt kaum zu erhoffen sind. Das Endergebnis würde eines der allerseltsamsten Gestirne am sparsam erleuchteten Himmel unserer Hochliteratur sein:

„Die Gebrüder Joyce“!