„Aber weniger, als der Zweite Weltkrieg gekostet hat, und vor allem wesentlich weniger, als ein dritter Weltkrieg in seiner ersten Stunde kosten würde!“ Es erscheint völlig ausgeschlossen, daß die Länder der westlichen Welt im Rahmen ihrer heutigen öffentlichen Haushalte eine Entwicklungshilfe in dieser Größenordnung aufbringen können. Eine erhebliche Rüstungsverminderung und die Verwendung eines Teils der so erzielten Ersparnisse für die Entwicklungshilfe ist ziemlich sicher die einzige Möglichkeit, um solche Summen überhaupt aufzubringen.

Und nun zur Planung: Die erste Erkenntnis, zu der wir uns hier durchringen müssen, ist die, daß die Planung weltumspannend sein muß. Der Streit, der heute in Deutschland darüber geführt wird, ob unsere Hilfe bilateral oder multilateral sein soll, ist völlig müßig. Vielleicht kann die Hilfegewährung im einzelnen Fall bilateral sein, die Planung der Hilfe muß global und damit multilateral sein, wenn nicht eine solche Verschwendung der Gelder erfolgen soll, daß das ganze Hilfswerk daran scheitert.

Bei allem Respekt vor der politischen Souveränität der Entwicklungsländer werden bei der Planung die hilfeleistenden Länder in starkem Maße mitwirken müssen. Hier ist wieder der Marshall-Plan das beste Beispiel. Der Einsatz der Marshall-Plan-Gelder in Deutschland wurde in gemeinsamen Gremien der hilfeleistenden Amerikaner und der hilfeempfangenden Deutschen durchgeführt. Oberstes Prinzip für die Priorität von Investitionsvorhaben war die Frage, wie weit die Investition geeignet war, in der deutschen Zahlungsbilanz Dollar zu sparen oder zusätzlich Dollar einzubringen. Das Prinzip des „dollar saving“ und „dollar earning“ hat sich wahrhaftig bewährt. Die Deutschen haben mit so viel Erfolg von ihrem amerikanischen. Lehrmeister gelernt, Dollar zu sparen und mehr Dollar einzunehmen, daß der Schüler jetzt den Lehrer übertrifft.

Nach dem gleichen Prinzip muß auch die Investitionsplanung in den Entwicklungsländern erfolgen. Ein zäher Kampf wird gegen Fehlplanungen, insbesondere gegen Investitionen, die zwar auch schön und vielleicht auch wichtig, aber eben nicht vordringlich wichtig sind, geführt werden müssen.

Noch schwerer wird vielleicht die entscheidende Aufgabe sein, die Entwicklungsländer zur Mobilisierung der wichtigsten Kapitalreserve zu bringen, über die sie verfügen, nämlich der unbeschäftigten Arbeitskräfte auf den Dörfern. Im Bericht der Food and Agricultural Organisation (FAO) über die Türkei wurde festgestellt, daß Millionen von Menschen in den türkischen Dörfern nur wenige Wochen im Jahr in der Landwirtschaft Arbeit haben und daß sie den größten Teil des Jahres müßig zu Hause sitzen. Und dies, obgleich es in jenen Dörfern große Investitionsaufgaben in der Infrastruktur gibt: Terrassierung der Hänge, Erosionsbekämpfung, Verbesserung des Nutzeffekts des Bewässerungswassers durch ein besseres Kanalnetz und in vielen Fällen auch Drainage. Wir haben im FAO-Bericht festgestellt, daß die Mobilisierung dieser brachliegenden Arbeitskräfte nur auf dem Wege eines militärisch organisierten Arbeitsdienstes möglich ist.

Arbeitskräfte liegen brach

In Indien mit seinen 440 Mill. Menschen kann man die Zahl der Arbeitskräfte im erwerbsfähigen Alter auf 200 Mill. beziffern, von denen mindestens 100, vielleicht sogar 150 Mill. insofern arbeitslos sind, als nie nur während eines Teils des Jahres in ihrer Zwerglandwirtschaft etwas zu tun haben, den größten Teil des Jahres sitzen auch sie müßig in ihren Dörfern. Gelingt es, diese Menschen zur Arbeit zu bringen, so wird im Laufe der Zeit jeder von ihnen ein Sozialprodukt von 200 Dollar jährlich hervorbringen. 100 Millionen Arbeitslose könnten also ein zusätzliches Sozialprodukt von 20 Milliarden Dollar jährlich erzeugen.