Von Rolf Zundel

In dem Stück, das gegenwärtig auf der politischen Bühne von Laos gespielt wird, haben sich die Fäden der Handlung so heillos verheddert, daß selbst ein erfahrener Komödienkenner sie kaum mehr zu entwirren vermöchte. Die Diplomaten jedenfalls haben es fast aufgegeben. Der Sprecher des englischen Außenministeriums sah sich außerstande, ein Urteil über die Lage in dem krisengeschüttelten südostasiatischen Königreich abzugeben: Zur Zeit sei völlig unbekannt, wer die rechtmäßige Regierung in Laos vertrete.

Drei Regierungen hat die Verwaltungshauptstadt Vientiane innerhalb von zwei Tagen erlebt. Bis zum Wochenende regierte dort der Neutralist Prinz Suvanna Phuma, unterstützt vom Fallschirmjäger-Hauptmann Kong Lee und dessen Bataillonen, geduldet von der kommunistischen Pathet-Lao-Bewegung, die den Norden des Landes zum großen Teil Beherrscht, mißtrauisch beobachtet vom König und bedroht von den Antikommunisten unter General Nosavan, der mit seinen Truppen, von Süden her gegen Vientiane vorrückte. Als die Soldaten Nosavans vor Vientiane erschienen und ein Teil der Regierungstruppen mit ihnen gemeinsame Sache machte, floh der Prinz mit seiner Familie und fünf Kabinettsmitgliedern ins neutrale Kambodscha. Eine Gruppe von Offizieren übernahm die Macht, aber nur für einen Tag. Sie wurden abgelöst durch Quinim Pholsena, einen Freund Kong Lees.

Pholsena, der als Informationsminister im Kabinett Suvanna Phuma Führer der Regierungsdelegation war, die mit den Kommunisten verhandelte, gilt bei den meisten westlichen Beobachtern, vor allem bei den Amerikanern, als verkappter Kommunist. Korrespondenten freilich – so Lily Ahegg – sagen, er sei lediglich ein Anhänger des Neutralismus. Falls Pholsena tatsächlich neutralistische Pläne hat, verwirklichen kann er sie im Augenblick nicht. Seine Macht reicht nur so weit, wie die Gewehre und Geschütze der Truppen Kong Lees reichen. Und diese Truppen genügen kaum, um Vientiane gegen die Armee Nosavans zu verteidigen.

Pholsena mußte sich entscheiden, und er hat nicht gezögert. Unmittelbar, nachdem er sein Amt übernommen hatte, stattete er dem sowjetischen Botschafter einen Besuch ab, und seit Sonntag – so wird berichtet – landen auf dem Flugplatz von Vientiane sowjetische Transportmaschinen, die Waffen und Munition aus Nordvietnam bringen. Am Montag gab Kong Lee bekannt, daß sich seine Truppen mit Streitkräften der kommunistischen Pathet-Lao-Bewegung vereinigt hätten. Der Zusammenprall zwischen Antikommunisten und Kommunisten scheint fast unvermeidlich. Schon ist der Rat der SEATO zu einer Sondersitzung zusammengetreten, denn die Südostasien-Pakt-Organisation garantiert laut Vertrag die territoriale Integrität des Königreiches Laos. Und die Warnung, in Laos drohe ein zweites Korea, ist nicht unbegründet.

Freilich, wie oft ist nicht schon diese Warnung ertönt? Sobald die Guerillatätigkeit des Pathet Lao aufflackerte, sobald ein neuer Staatsstreich gemeldet wurde, wurde Korea als warnendes Beispiel zitiert. Nachher aber fanden sich von dem groß angekündigten Partisanenkrieg nicht einmal Kampfspuren, und die im Staatsstreich gestürzten Politiker unterhielten sich mit den Siegern über die Verteilung von Kabinettssitzen. Irgendwie hat man sich immer wieder arrangiert. Hauptsache, die Amerikaner stopften das Haushaltsdefizit.

Diesmal freilich sieht es so aus, als ob die Amerikaner, die oft genug die Düpierten waren, endlich einmal etwas für ihr Geld sehen wollten. Der König von Laos löste die Regierung Pholsena auf und übertrug die Regierungsgewalt dem antikommunistischen Revolutionskomitee unter Prinz Bon Um und General Nosavan. Pholsena allerdings kümmert sich nicht um das königliche Dekret. Und General Nosavan marschiert – vorläufig wenigstens.