Literaturkontrolle le an den Universitäten der Zone

H.-J. S., Greifswald

Die haben in den letzten zwei Wochen folgende Bücher gelesen: Cartier, ‚48mal Amerika’; Jungk, ‚Die Zukunft hat schon begonnen’; Krug, ‚Viel Känguruhs und wenig Menschen‘. Aus welchem Grund? Warum wollten sie das Buch des Verräters Wolfgang Leonhard ‚Die Revolution entläßt ihre Kinder‘ lesen – ein Buch, das Ihnen natürlich mit guten Gründen verweigert wurde?“

Der Student der Philosophie an der Universität Greifswald, 21 Jahre alt, blickt erschrocken auf. Er steht vor einem Schreibtisch, dahinter sitzt der FDJ-Sekretär der Greifswalder Universität. In der Ecke, hinter einer Zeitung verborgen sitzt noch ein Mann, den der Student vorerst nicht erkennen kann.

Der FDJ-Funktionär wartet eine geraume Weile, dann streicht er über seine blaue Bluse und steht auf. „Hat Ihr merkwürdiges Verhalten ernste Hintergründe? Warum geben Sie keine Antwort?“

„Nein, nein“, versichert der Student. „Ich habe mich nur informieren wollen.“

Das Gesicht des FDJ-Sekretärs bleibt unbewegt. „Sehr aufschlußreich“, sagt er schließlich. „Ich meine, wo Sie sich informieren. Die Literatur des sozialistischen Lagers sagt Ihnen wohl nicht zu? Haben Sie schon immer Bücher gelesen, die den Kapitalismus verherrlichen?“