Die Enttäuschung war nicht gering, als die Verwaltung der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN), Augsburg, trotz einer Umsatzausweitung um fast 27 (i. V. 13) vH auf 993 (783) Mill. DM für 1959 / 60 (30. Juni) der Hauptversammlung eine unveränderte Dividende von 14 vH vorschlug. Die Reaktion der Börse war entsprechend. Aus dem gestiegenen Umsatz, der im laufenden Jahr noch weiter zugenommen hat – der Auftragsbestand liegt nun über 1,2 Mrd. DM – sind für die Ausschüttung nur knapp 1,1 (i. V. 1,4) vH erforderlich. In der Bilanzbesprechung rechtfertigte Vorstandsvorsitzender Dr. Ulrich Neumann die Dividendenpolitik. Bei dem Schwergewicht der MAN-Erzeugnisse im Großanlagengeschäft habe man den hohen Risiken mit Wertberichtigungen, Abschreibungen und Rückstellungen Rechnung tragen müssen. MAN räume der inneren Stärkung des Unternehmens gegenüber einer eventuell nur vorübergehenden Dividendenanhebung den Vorrang ein. Der sich verschärfende Wettbewerb erfordere nicht nur bessere Einrichtungen und Fertigungsmethoden mit dem Ziel niedrigerer Herstellungskosten, sondern auch hohe Investitionen, um dem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften zu begegnen. Er prophezeite für das kommende Jahr eine weitere erhebliche Zunahme des Anlagevermögens, das sich per 30. Juni 1960 auf 187,4 (175,2) Mill. DM erhöht hat.

Die Bemerkung, man wolle eine Ausschüttung etwa der heutigen Höhe auf lange Sicht erwirtschaften, diesen Satz jedoch nicht als Rente zementieren, sollte die Dividendenhoffnungen der Aktionäre für das laufende Jahr beflügeln, zumal der Umsatz sicher 1 Mrd. DM überschreiten wird. Der bisher befriedigende Verlauf lasse wieder mit einem befriedigenden Ergebnis rechnen. Neben der laufenden Verbesserung der konventionellen Erzeugnisse werde man sich in Zukunft immer mehr mit den technischen Problemen des Kernkraftwerkbaues und des Triebwerkbaues befassen.

Da der Export – auf den Inlandumsatz entfielen 629 (487) Mill. DM, auf die Ausfuhr 364 (296) Mill. DM – immer mehr durch die Devisenknappheit vieler Länder und das Streben nach eigenen Industrien eingeengt werde, trachtet man danach, einen wesentlichen Teil der Erzeugnisse im Abnehmerland zu fertigen. So wurde in Argentinien die Industrias Argentinas MAN, Buenos Aires, gegründet, an deren rd. 15 Mill. DM Kapital MAN zu 50 vH beteiligt ist. In Brasilien, wo eine ähnliche Konzeption verfolgt wird, wurde gleichfalls eine Gesellschaft mit 200 000 DM Anfangskapital gegründet. Dr. Neumann verwies auch auf die Entwicklungshilfe, für die man Mittel bereitstellen müsse und auf den Erwerb von 50 vH des Kapitals der BMW Triebwerkbau GmbH (20 Mill. DM), der 16,7 Mill. DM erforderte. Außerdem erhielt die BMW-Muttergesellschaft 20 Mill. DM Darlehen, das ab 30. September 1962 bis 30. Juni 1970 mit steigenden Vierteljahresraten getilgt wird.

Im Augsburger Werk blieb bei nahezu gleichem Umsatz der Auftragsbestand unverändert. Im Werk Hamburg verhinderte die angespannte Lage am Arbeitsmarkt die notwendige Belegschaftsverstärkung. Im Berichtsjahr wurde mit der Montage von Schiffsturbinen begonnen. In Nürnberg erreichten Auftragsbestand und Umsatz einen neuen Höchststand, während in München die Fertigung im Zeichen einschneidender Umstellungen und Rationalisierungen stand, um den Ausstoß zu steigern. Bei anhaltender Fluktuation unter den Arbeitnehmern mußte der wachsende Bedarf an Arbeitskräften überwiegend aus dem Ausland gedeckt werden. Im LKW-Bau konnten die Exportumsätze nahezu verdoppelt werden. Das Werk Gustavsburg war gut beschäftigt, die Zusammenarbeit mit der Krauss Maffei AG, München wurde vertieft. Die Zahl der insgesamt Beschäftigten ist um 6 vH auf 32 200 gestiegen und hat im laufenden Jahr auf über 34 300 zugenommen. t. r.