Fünfzehn Finger am Abzug, so schrieb die britische Sunday Times, das hieße die Wirkung der NATO-Atomstreitmacht paralysieren. Wenn der Einsatz der Atomwaffen vom einstimmigen Beschluß der 15 Paktstaaten abhinge, könnte der Gegner damit rechnen, daß sie nie oder zu spät eingesetzt würden. Über eben diese Atomstreitmacht und über die Frage, wie das Fünfzehn-Finger-System zweckmäßig organisiert werden könnte, wird der Nordatlantikrat diskutieren, der am Wochenende in Paris zusammentritt.

Informationen aus dem NATO-Hauptquartier deuten darauf hin, daß der einstimmige Beschluß nicht für den Einsatzbefehl, sondern für die Standing rules“, also die Einsatzbedingungen, gelten soll. Die Partnerstaaten sollen sich offenbar darüber einigen, unter welchen Voraussetzungen die NATO-Atomwaffen eingesetzt werden dürfen. Über den Einsatz selbst würde dann im Ernstfall ein kleines Gremium entscheiden oder – bei einem Überraschungsangriff – der NATO-Oberbefehlshaber. Die Pläne liefen also darauf hinaus, General Norstad auf dem Umweg über eine NATO-Atommacht größere Vollmachten einzuräumen, denn bisher hatte das letzte Wort über den Einsatz von Atomwaffen immer noch der amerikanische Präsident.

H. M.