Neue Abschlüsse der verstaatlichten Unternehmen

Die verstaatlichten großen Aktiengesellschaften sind die drei größten österreichischen Industrieunternehmen überhaupt. Es sind zunächst die zwei ehemals zum Konzern der Reichswerke „Hermann Göring“ gehörenden Montangesellschaften, die ältere steirische „Alpin“ und die jüngere, erst im Krieg und nachher so groß gewordene Linzer VÖEST.

Von der Österreich-Alpine Montangesellschaft liegt noch immer keine Schillingseröffnungsbilanz (SEB) vor. Die Verzögerung hat verschiedene, teils innenpolitische, teils organisatorische und gesellschaftsrechtliche Gründe. Der Alpine-Konzern, schon immer bedeutend, hat durch Übernahme des Stahlwerkes St. Andrä-Wördern aus der Konkursmasse des Privatunternehmers Johann Haselgruber im Herbst 1959 eine weitere Vergrößerung erfahren. Der Beschäftigtenstand wird insgesamt für das erste Vierteljahr 1960 mit 19 000 Personen angegeben. Es ist anzunehmen, daß in nächster Zeit auch hier die langerwarteten Bilanzen herauskommen werden. – Die Linker VÖEST steht der Belegschaft nach in etwa der gleichen Größenordnung. Alpine und VÖEST sind zusammen mit je 50 Prozent Teilhaber der „BOT“, Brassert & Oxygen-Technik AG, Zürich, bei der die Auslandsinteressen für das von den beiden österreichischen Montanunternhmen entwickelte LD-Blaßstahlverfahren liegen. – Als drittgrößtes Industrieunternehmen erkennt man nach der eben vorgelegten Schillingeröffnungsbilanz und anderen jetzt bekanntgewordenen Daten die österreichische Mineralölverwaltung AG (ÖMV).

Die Vereinigte österreichische Eisen- und Stahlwerke AG (VÖEST) hat mit ansehnlicher Verzögerung eben die Bilanzen für 1958 und 1959 in einem verabschiedet. Der Umsatz erreichte 1959 4,7 Mrd. Schilling und war damit um 5 vH höher als im Jahr vorher. Das Unternehmen schafft heute 55 vH der gesamtösterreichischen Erzeugung sowohl an Rohstahl wie auch an Walzware. Es wird zwar im Geschäftsbericht erklärt, daß der Druck auf die Exportpreise und der Stopp der Inlandspreise die Ertragslage beeinflussen, aber man hat immerhin aus Betriebserträgen sehr stark investieren können, die Verschuldung vermindert und die Eigenmittel verstärkt. Nach einer Zuweisung an Rücklagen von 45 (0) Mill. und verschiedenen kleineren Aufwendungen verbleibt ein Jahresgewinn von 42 (37) Mill., woraus für jedes Jahr 3 vH Dividende auf das Grundkapital von 1400 Mill. an den Alleinaktionär Staat ausgeschüttet werden.

In der zweiten Hälfte 1959 hat ein neuer Aufschwung eingesetzt, und das Geschäftsjahr 1960 nimmt in Umsatz und Ertrag „eine sehr günstige Entwicklung“. Besonders hervorgehoben wird, daß die VÖEST im Rahmen ihrer Konzernfirma der Ister Reederei GmbH, Bremen, das Hochseeschiff „Linzertor“ mit einer Ladefähigkeit von 14 000 Tonnen aus LD-Stahl hat erbauen lassen.

Als drittgrößtes Unternehmen der österreichischen Industrie stellt sich, wie schon erwähnt, durch die eben veröffentlichte Schillingseröffnungsbilanz (SEB) und verschiedene Betriebsdaten die Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft (ÖMV) dar. Das Unternehmen ist Nachfolger der während der Besetzungszeit bestandenen „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ und hat dazu ein Reihe verstaatlichter oder staatlicher Auffanggesellschaften aus dem Erdölbereich in sich aufgenommen. Die SEB nennt per 1. Januar 1957 nach entsprechender Neubewertung ein Eigenkapital von 2,23 Mrd. S; das Grundkapital wurde mit einer Milliarde (vorher 500 Mill.) festgesetzt, so daß noch 1,23 Mrd. Rücklagen verbleiben.

Näheres über die Betriebserfolge wird man erst aus den Bilanzen für die späteren Jahre erfahren, die jetzt in rascher Folge versprochen werden. Der Umsatz für 1960 wird mit 2,5 Mrd. S etwa das Vorjahrsergebnis erreichen.

Man hofft, die österreichische Erdölförderung auf lange Sicht bei etwa 2,2 Mill. Jahrestonnen stabilisieren zu können. Die neue Raffinerie der ÖMV in Schwechat, die innerhalb von zwei Jahren fertig werden soll, wird, eine Durchsatzkapazität von 1,8 Mill. t Rohöl haben, wozu noch etwa 700 000 t der alten Raffinerie Schwechat kommen. Man wird die älteren Raffinerien Moosbierbaum und Korneuburg stillegen, weil die österreichische Kapazität bereits über den Inlandsbedarf hinauswächst, zumal die kleineren Raffinerien von Stall und Mobil Oil auch noch über etwa 800 000 t Jahresdurchsatz verfügen. Ein Anschluß an die Pipeline, die bis Preßburg reichen soll, wird als nicht zweckmäßig erachtet, da Österreich so zu stark einseitig gebunden wäre und durch den Donautransport ohnehin ausreichend Möglichkeiten bestehen, Erdölprodukte nach Bedarf aus dem Westen oder Osten zu beziehen. J. B.