Wer gehofft hat, am Dienstag würde vor der 6. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf endlich geklärt, wer am 27. Februar 1933 den Reichstag angezündet habe, der wurde enttäuscht. Der Zivilprozeß, der zur Verhandlung stand, ist von dem ehemaligen SA-Hauptsturmführer Hans-Georg Gewehr – einst Heini Gewehr oder „Pistolenheini“ – gegen Dr. Hans Bernd Gisevius angestrengt worden. Gisevius hatte in der ZEIT die Behauptung aufgestellt, nicht van der Lübbe, sondern Heini Gewehr habe mit einem SA-Rollkommando den Reichstag angesteckt. Gisevius hatte das schon vor vielen Jahren in seinem Buch „Bis zum bitteren Ende“ behauptet. Aber erst jetzt fühlte sich Heini Gewehr angegriffen (siehe auch die ZEIT Nr. 50).

Der Termin wurde auf den 17. Januar 1961 verlegt. Beide Parteien wollen neues Beweismaterial und neue Zeugen beibringen. Gewehr will dabei vor allem durch SA-Akten nachweisen, daß er zum fraglichen Zeitpunkt nicht dem SA-Rollkommando, sondern dem Sturm 21-9 in Berlin-Steglitz angehört habe. Gisevius sagt dagegen allerdings, daß Gewehr sowohl dem Sturm als auch dem Rollkommando angehört haben könne. Außerdem stamme der Stellenplan vom 1. November 1933.

Wenn beide Parteien das Material und die Zeugen vorführen, von denen am Dienstag in Düsseldorf gesprochen wurde, dann mag das Rätsel um den Reichstagsbrand nach Jahren doch gelöst werden. hst.