Bundestagsabgeordnete aller Parteien wollen künftig bizarre Schaumgebilde nur dort noch sehen, wo sie hingehören – in der Badewanne. Darum setzten sie ihre Unterschrift unter einen interfraktionellen Initiativgesetzentwurf, der solche Zusätze (Detergentien) in Wasch- und Reinigungsmitteln verbietet, die in den üblichen Kläranlagen oder in offenen Gewässern nicht hinreichend abgebaut werden können und dann als Schaumkronen unsere Wasserläufe „zieren“.

Eine lobenswerte Initiative, um der anhaltenden Verschmutzung der bundesdeutschen Gewässer Einhalt zu gebieten, denn die Detergentien sind der Feind alles Lebens im Wasser. Das große Fischsterben geht zu einem großen Teil auf ihr Konto. Sie kann aber nicht mehr als ein Anfang sein. Es gibt in unserem Wasser noch viele andere Giftstoffe und Krankheitserreger, denen der Garaus gemacht werden muß. Nach Feststellungen des zuständigen Bonner Fachministeriums fließt das Abwasser von mehr als 20 Millionen Einwohnern der Bundesrepublik völlig unbehandelt ab. Nur 32 vH aller Abwässer werden ordnungsgemäß geklärt.

Das ist alarmierend. Mit beschwörenden Appellen ist da wenig auszurichten, denn der Gewässerschutz kostet Geld – viel Geld. Nach dem Stand von 1956 waren mindestens 10 Mrd. DM nötig für die erforderlichen Investitionen. Seitdem sind von den Kommunen dafür rund 2,3 Mrd. DM ausgegeben worden, und von der Industrie etwa 700 Mill. DM. Es fehlen also noch viele Milliarden DM, um wenigstens die übelsten Mißstände zu beseitigen.

Minister Balke hält einen „Wasserpfennig“ für angebracht – eine im Wahljahr unpopuläre Forderung, die auch wohl ungehört verhallen wird. Dabei würde weniger als ein halbes Prozent unseres Bruttosozialproduktes ausreichen, um unsere Gewässer in wenigen Jahren sauber zu haben. Selbst kommunale Verbände halten einen Abwasserbeitrag von 8 bis 12 DM je Jahr und Einwohner für durchaus gerechtfertigt. Aber rund 40 vH der an öffentliche Abwasserbeseitigungsanlagen angeschlossenen Einwohner zahlen überhaupt keine Gebühren. Und dabei bringt die Bevölkerung noch mehr als doppelt soviel Geld auf wie Gewerbe und Industrie.

Doch wo sind die parlamentarischen Kräfte, die beherzt zu gesetzgeberischen Taten schreiten? Mit der Schaumbeseitigung allein ist es nicht getan. Sie könnte nur zu leicht als Schaumschlägerei gedeutet werden. Ch.