Zur Zeit, da Ernst Jünger seine „Marmor-Klippen“ schrieb, ahnte niemand, daß sein fiktiver Staat „Mauretanien“ eines Tages in Wirklichkeit existieren werde. Als 27. unabhängiger Staat Afrikas wurde Mauretanien jetzt selbständig und wäre als 100. Mitglied in die UN aufgenommen worden, wenn die Sowjetunion in der vorigen Woche nicht ihr 91. Veto eingelegt hätte – wahrscheinlich, um sich bei den Marokkanern lieb Kind zu machen, die nicht zulassen wollen, daß Mauretanien souverän wird, sondern es annektieren möchten. „Sie sind rechtgläubige Araber und Berber wie wir“, sagen sie, aber die Mauren halten das für keinen ausreichenden Grund zur Annexion. In der Tat haben die Stämme Mauretaniens den Sultan von Marokko stets als ihr religiöses Oberhaupt anerkannt.

Mauretanien umfaßt den größten Teil der westlichen Sahara. Aber nur 500 000 Mauren leben oder vielmehr nomadisieren in diesem riesigen Wüstengebiet. Nur ganz im Süden, am Senegal, ist ein Streifen fruchtbaren Bodens, der von schwarzen Stämmen (100 000 Afrikaner) kultiviert wird. Denn die Mauren sind viel zu stolz, um mit der Hand zu arbeiten. Sie sind Krieger oder widmen sich religiösen Übungen. Dff