Wären sie da, dann hätten wir auch in einer anderen Frage längst vorwärtskommen müssen, die man schon hundertmal angeregt, aber in Wirklichkeit nie einen Schritt vorwärtsgebracht hat: Stärkere Aktivierung des Bundessparkommissars. Wir haben einen solchen seit 1952 wieder, und dank jener von Sämischs Zeiten her bewährten Verbindung mit dem Bundesrechnungshof ist er auch in der Lage, die Durchführung der öffentlichen Verwaltung aller Stufen auf rationelle Ausgestaltung hin (nicht nur auf Befolgung der bestehenden Vorschriften — dafür ist der Bundesrechnungshof da, und was dabei herauskommt, ist nicht sehr erschütternd) zwar nicht gleich, aber doch allmählich zu übernehmen, d h zunächst den großen Stab der spezialisierten Fachleute heranzubilden, die im Laufe von Jahren diese Aufgabe durchführen könnten.

Was der Reichssparkommissar in der Weimarer Zeit in dieser Beziehung mit seinen Gutachten über einzelne Teile der Reichsverwaltung, über eine Reihe von Landes- und Stadtverwaltungen geleistet hat, gehört zum Besten, was in der Weimarer Zeit überhaupt geleistet worden ist (was aber seit 1930 nach Ausbruch der großen Krise und vollends dann nach 1933 sich nicht mehr auswirken konnte) Ähnliches heute zu erreichen bedeutet allerdings nodi etwas ganz anderes. Denn was wir an Steuern in Reich, Ländern und Gemeinden um 1930 herum erhoben, belief sich im ganzen auf etwa 13 Mrd — heute sind es 70 Mrd. Es werden also ganz neue Gesichtspunkte für die Rationalisierung der heutigen riesigen Verwaltungen auftauchen, die nur allmählich erarbeitet werden können, auf Grund deren aber dann auch wirklich große Beträge eingespart werden können; sie brauchen ja nur wenige Prozente des Gesamtaufwands von 70 Mrd auszumachen, um ihrerseits schon Hunderte von Millionen zu ergeben. Und wie steht es nun mit der intensiven Heranziehung des Sparkommissars? Die Verwaltung neigt von sich aus durchaus nicht dazu, sich dieser Einrichtung zu bedienen "Die Interna der Verwaltung untersuchen lassen und das Ergebnis gar noch in die Öffentlichkeit bringen — das wäre noch schöner", das ist von Haus aus ihr Standpunkt. Nur, wenn sich der, Bundestag energisch dafür einsetzt (wie er es Ende der zwanziger Jahre wirklich tat), könnte da Abhilfe geschaffen werden. Aber wir müssen statt dessen hören, daß Bestrebungen auf Einschränkung (l) der Tätigkeit des Bundessparkommissars, auf Verkürzungen seines Stabes — weil er schließlich doch manchen Stellenvermehrungen und namentlich unangemessenen Gehaltseinstufungen entgegenwirkt — im Gang sind und im Bundestag anscheinend nicht ohne Erfolg um Berücksichtigung werben! Wir tun also — sagen wir es ganz offen — ziemlich viel, um immer tiefer in der Steuermisere zu versinken, und sehr wenig, urri aus ihr herauszukommen — gerade als ob das politisch ungefährlich wäre, als ob nicht alle Zusammenbräche parlamentarischer Regierungssysteme in den letzten Jahrzehnten ihre wesentlichsten Anstöße von der Unmöglichkeit, die Finanzprobleme zu meistern, erhalten hätten! Die Zeit der günstigen Finanzlage und großer Mehrerträge der Steuern gegenüber den Haushaltsanschlägen wird nicht ewig dauern; wie schnell waren wir aus den Steuerüberschüssen und Steuermilderungen von 1926 heraus und in der Krise drin, die 1928 begann! Von diesen Dingen muß daher, so möchte man meinen, in den kommenden Wahlversammlungen weit ernsthafter gesprochen werden, als das bisher üblich war; allgemeine Klagen über "die viel zu hohen Steuern", über "das unsinnig komplizierte Steuerrecht", über "die unerträglich aufgeblähte Verwaltung" bringen uns da keinen Schritt weiter.