Zehn Prozent Zinsen und mehr...

Auch jetzt wieder – wie alljährlich im Dezember – tritt an uns die Frage heran: Sollen wir prämienbegünstigt sparen? Meine Antwort: Wer kann, der soll! Dabei empfehle ich in diesem Jahr das prämienbegünstigte Wertpapiersparen – unter Bevorzugung der Pfandbriefe. Warum ich diese Papiere bei Ausnutzung des Prämiensparens für besonders günstig halte, habe ich, meine verehrten Leser, nachstehend erläutert. Gleichzeitig finden Sie wichtige Hinweise auf das, was beim prämienbegünstigten Sparen zu beachten ist. Heiratswillige können besonders gut abschneiden.

Geschenke vom Staat kann der „kleine Mann“ auf zweierlei Weise erhalten. Einmal durch den Steuernachlaß über Sonderausgaben, ein Thema, das wir hier nicht behandeln wollen, zum anderen aber durch die Zahlung von Prämien. Sie gibt es beim Bausparen und beim reinen Konten- oder Wertpapiersparen. Und zwar unabhängig voneinander. Wer also über reichlich flüssige Mittel verfügt, bekommt auch zweimal Prämien.

Die Bedingungen für den Erhalt der Prämien haben sich im letzten Jahr nicht verändert. Ich kann mich deshalb kurz fassen. Zunächst noch einige Worte über das Bausparen. Die auf einen Bausparvertrag gezahlten Beiträge können entweder als Sonderausgaben geltend gemacht oder im Rahmen des Wohnungsbau-Prämiengesetzes angelegt werden. Man wählt natürlich den Weg, den der Staat am besten pflastert, wo man also die meisten Hilfen bekommt. Grundsatz: Liegt der Bausparer mit seiner Lohnsteuer in der Spitze unter 25 bis 35 vH, dann ist das Bausparen nach dem Prämiengesetz vorzuziehen. Denn 25 bis 35 vH betragen die Prämien, die das Gesetz gewährt. Sind Sie im Zweifel, so setzen Sie sich am besten mit einer Bausparkasse in Verbindung. Sie hilft Ihnen, den für Sie besten Weg zu finden.

Nun zum Spar-Prämiengesetz. Sie erinnern sich vielleicht, daß der Staat Prämien von 20 vH der Jahressparsumme gewährt, allerdings im Rahmen gewisser Höchstbeträge. Bei Einzelpersonen beträgt die prämienbegünstigte Höchstsumme 600 DM (darauf erhält man also vom Staat 120 DM). Bei Ehepaaren (kinderlos oder mit einem Kind oder zwei Kindern unter 18 Jahren) sowie bei Alleinstehenden über 50 Jahre wird eine Prämie von 240 DM gewährt. Hier beträgt die prämienbegünstigte Höchstsumme also 1200 DM. Unverheiratete oder verheiratete Prämiensparer, die mindestens drei Kinder unter 18 Jahren haben, können eine Prämie von 360 DM gutgeschrieben bekommen, wenn sie 1800 DM im Jahr zurückgelegt haben.

Beim Abschluß eines Prämiensparvertrages muß man sich verpflichten, den gesparten Betrag 5 Jahre unangetastet zu lassen. Ein halbes Jahrzehnt ist eine lange Zeit. Im Grunde kann niemand von sich sagen, daß er auf alle Fälle während dieses Zeitraums auf die Verwendung des festgelegten Geldes verzichten kann. Nun, das wird auch nicht unbedingt verlangt. Wer seinen Vertrag aus irgendwelchen Gründen nicht einhalten kann, dem steht jederzeit ein Rücktrittsrecht zu. Macht er davon Gebrauch, so sind die vom Staat gezahlten Prämien allerdings zurückzuzahlen. Das ist nicht mehr als recht und billig.

Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Die Prämien brauchen nicht zurückgezahlt zu werden, wenn der Sparer vor Ablauf des Vertrages stirbt (wie erfreulich für die Erben ...) oder wenn er erwerbsunfähig wird. Besonders bevorzugt werden die Heiratswilligen: Geht nämlich der Prämiensparer nach zwei Jahren (gerechnet vom Abschluß des Vertrages) eine Ehe ein, so ist die Auszahlung der Sparsumme an den Sparer nebst Prämien bereits nach zwei Jahren möglich. Hier gewährt der Staat ein wirklich großzugiges Geschenk, von dem nach meiner Kenntnis viel zuwenig Gebrauch gemacht wird.

Beim Abschluß von prämienbegünstigten Sparverträgen gibt es drei Möglichkeiten:

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  • Allgemeine Sparverträge. – Hier verpflichtet sich der Sparer, den eingezahlten Sparbetrag für 5 Jahre festzulegen. Die Sperrfrist läuft vom 1. Tag des Kalenderhalbjahres, in dem der Betrag eingezahlt worden ist. Wer also bis zum 31. Dezember 1960 noch einen Betrag einzahlt, kann darüber am 1. Juli 1965 wieder verfügen. Sperrfrist also praktisch nur 4 1/2 Jahre.
  • Sparverträge mit festgelegten Sparraten. – Diese sind prämienbegünstigt, wenn 5 Jahre lang regelmäßig monatlich oder vierteljährlich Einzahlungen vorgenommen werden. Das Geld bleibt bis zum Ablauf von 6 Jahren nach dem ersten Tag des Kalenderhalbjahres, in dem die erste Einzahlung vorgenommen wurde, festgelegt. Das bedeutet: Wer im Dezember 1960 die erste Rate leistet, kann über den gesamten Betrag (einschl. Prämie) am 1. Juli 1966 wieder verfügen.
  • Aufwendungen für den Ersterwerb von Wertpapieren. – Auch sie können erst nach Ablauf von 5 Jahren verkauft werden.

Besonders aktuell sind der Abschluß „Allgemeiner Sparverträge“ und „Aufwendungen für den Ersterwerb von Wertpapieren“ wegen der verkürzten Sperrfristen, wenn das Geld noch in diesem Monat angelegt wird.

Welche der beiden Sparformen ist nun aber vorzuziehen? Wo erzielt man den höchsten Nutzen? Wer das Geld auf ein Sparkonto einzahlt und eine einjährige Kündigungsfrist vereinbart – und das macht man natürlich, weil das Geld ja ohnehin auf 5 Jahre festgelegt werden soll, bekommt zur Zeit noch eine Verzinsung von 5 1/4 vH jährlich. Ich sage ausdrücklich „zur Zeit noch“, denn nach der Diskontsenkung sind Bestrebungen im Gange, die den Zinssatz herabsetzen wollen. Tatsächlich muß man wohl mit einer Ermäßigung des Zinssatzes für bestimmte Spareinlagen rechnen. Aber gehen wir von den heute noch geltenden Bedingungen aus, dann kommen wir auf einen Zinssatz von 5 1/4 vH, dazu müssen wir dann jährlich noch 4 vH Prämie rechnen, die der Staat ja als Zuschuß gewährt. Die Ersparnisse verzinsen sich also auf dem Sparbuch mit 9 1/4 vH. Ein Satz, der sich sehen lassen kann.

Wer nach zwei Jahren heiraten will (oder die Hoffnung hat, es zu können), sollte unbedingt das Sparbuch wählen. Zinssatz 5 1/4 vH + 10 vH Prämie, die man hier nur auf zwei Jahre umzulegen braucht. Gesamtverzinsung 15 1/4 vH!

Übrigens: Über die Zinsen und Zinseszinsen auf die Prämie kann der Sparer stets erst nach Freigabe des gesparten Gesamtbetrages verfügen. Üblicherweise also erst nach 5 Jahren.

Kommen wir nun zu dem „Ersterwerb von Wertpapieren“ im Rahmen des Prämiensparens. Ersterwerb heißt, daß man diese Papiere nicht über die Börse kaufen kann, sondern daß es sich um Stücke handeln muß, die noch nicht im Handel waren. Bis zum Jahresende scheidet der Aktienerwerb „mangels Masse“ praktisch aus, denn junge Aktien werden nur noch in Einzelfällen von den Gesellschaften offeriert, auf die sich nicht einzugehen lohnt.

In Frage kommt vor allem der Erwerb von Pfandbriefen und von Investment-Zertifikaten. Sehen wir uns heute die Pfandbriefe an. Angeboten werden 6prozentige Papiere zum Kurs von 94 bis 97 1/2 vH. Ein 100-DM-Pfandbrief, der mit 6 vH jährlich verzinst wird (daran ändert sich während der gesamten Laufzeit dieses Papieres nichts, im Gegensatz zu dem Spareinlagenzins, der ständig verändert werden kann), kostet also nur 96 DM. Folglich ist der Effektiv-Zinssatz höher. Er macht hier nämlich 6,3 vH aus, wozu dann noch die Prämie von jährlich 4 vH kommt. Zusammen: 10,3 vH!

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Milchmädchen-Rechnung! – werden meine Freunde von den Sparkassen sagen. Deine Rechnung, alter Freund, geht nur dann auf, wenn die Leute ihre Pfandbriefe später auch wieder zum Einstandskurs verkaufen können. Und das ist alles andere als gewiß. Wir hatten schon sehr fragwürdige Zustände am Rentenmarkt!

Diese Einwände sind berechtigt, falls sie aus grundsätzlichen Erwägungen heraus gemacht werden. Sie passen nach meiner Ansicht aber nicht auf die gegenwärtige Situation. Wir haben jetzt am Rentenmarkt eine Art Tiefpunkt – oder exakter gesagt, wir haben ihn noch keineswegs überwunden. Wer jetzt Pfandbriefe kauft, erwirbt sie deshalb preiswert. Niemand kann natürlich heute sagen, wie der Rentenmarkt in 5 Jahren aussehen wird. Allerdings ist ja auch kein Pfandbriefbesitzer gezwungen, nach Ablauf der fünfjährigen Festlegefrist seine Papiere sofort zu verkaufen. Die Sorgen um den Kurs hat der Kontensparer natürlich nicht, dafür erhält er eben weniger Zinsen. Ein Wertpapierbesitzer sollte immer so disponieren, daß er selbst den Verkaufszeitpunkt seiner Papiere bestimmt. Das gilt vor allem natürlich bei Aktien – und erst in zweiter Linie bei den festverzinslichen Papieren, bei denen sich die Kursschwankungen – und damit auch das Kursrisiko – in relativ engen Grenzen halten.

Bei den 6prozentigen Pfandbriefen, die 5 Jahre lang festgehalten werden müssen, braucht man keine großen Sorgen zu haben, daß sie nach Ablauf der Sperrfrist gerade am Boden liegen werden. Die Pfandbriefzukunft wird in Expertenkreisen als überaus rosig angesehen. Warum? Auf dem Gebiet des Wohnungsbaus, bei den kleineren und mittleren Gewerbebetrieben ist der Nachholbedarf in ein paar Jahren befriedigt. Damit verringert sich die Nachfrage nach Hypotheken. Andererseits wird das Kapitalaufkommen wachsen. Und damit auch die Nachfrage nach Pfandbriefen. Wenn aber das Kapitalangebot größer ist als die Nachfrage, dann sinkt der Zins. Die Pfandbriefzinsen werden niedriger. Schon im laufenden Jahr rechnet man, daß der 6prozentige Typ durch den „Fünfeinhalber“ und später durch den „Fünfer“ abgelöst wird. Um so wertvoller werden dann die 6prozentigen Pfandbriefe, deren Kurse automatisch steigen werden. Vielleicht von jetzt 96 auf 100 vH. Hält sich dieser Kurs, bis die heute festgelegten Pfandbriefe wieder frei werden, dann kann der Pfandbriefsparer bei späterem Verkauf noch einen Kursgewinn von 4 Punkten einstecken. Neben dem Kursrisiko steht also die Kurschance!

Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius