Überlieferungen, die „mit Blut geadelt sind“ – Ohne Bier geht es nicht

Zi., Heidelberg

Wer das Dokument liest, fühlt sich in eine vergangene und fast schon vergessene Zeit zurückversetzt. Man liest da vom „asiatischen Bazillus, der die Gemüter verwirrt und die Seelen vergiftet jemand will, daß „unsere Geistesstätten zu Baumschulen deutscher studierender Jugend werden“, man spricht von traditionsgebundenen Überlieferungen, „die mit Blut geadelt sind“, und man setzt sich ein Ziel: „Wir erziehen zu ehrenhaften deutschen Männern, die fest in ihrem Volkstum wurzeln...“ Wer erzieht?

Tradition der Korporationen

Nun, über der Dokumentation des Heidelberger Professors Fuchs steht das Motto: „Stimmen aus den traditionsgebundenen Korporationen.“ Auftraggeber dieser Zitatensammlung ist eine Kommission des Senats der Universität Heidelberg, Anlaß zu diesem Auftrag ist eine zähe Auseinandersetzung der Universität mit fünfzehn Korporationen, die die Universität um Anerkennung ersucht haben. Ein Corps, sechs Bünde aus dem „örtlichen Coburger Convent“, fünf Burschenschaften, zwei CV-Verbindungen und eine Sängerschaft sind die Antragsteller. Die Universität hat den Korporationen diese Anerkennung bisher versagt und statt dessen versucht, in Gesprächen mit den Vertretern der eigens dafür gebildeten HIG (Heidelberger Interessen-Gemeinschaft) das geistige Terrain dieser Korporationen zu ergründen. Auch um äußere Verhaltensweisen geht es: Ein Senatsbeschluß legt den Kommilitonen nahe, zur Vermeidung von Zwischenfällen das Couleurtragen auf dem Universitätsgelände zu unterlassen, stellt die letzte Entscheidung jedoch dem einzelnen anheim. Die Frage der Mensurerlaubnis, ursprünglich ebenfalls strittig, wurde ad acta gelegt, nachdem sich die schlagenden unter den Verbindungen auf eine für sie positive Entscheidung des Bundesgerichtshofs stützen konnten.

Mit der Zitatensammlung hält Professor Fuchs den Korporationen einen Spiegel vor. Und wenn das, was der streitbare Professor an Zitaten sammelte, auch nicht für die Verbindungen in ihrer Gesamtheit repräsentativ ist, die Auswahl schon ist erschreckend genug.

Schon 1951 bittet die Deutsche Corpszeitung die Universität um Erlaubnis, Mützen und Bänder tragen zu dürfen: „... unser Anliegen: wo Rektoren und Professoren bei feierlichen Anlässen ‚veraltete Requisiten‘ wie Barett und Talar benutzen, haben auch wir in den Universitätsgebäuden das Recht, die unserigen zu zeigen.“ Und der Vorsitzende des Convents Deutscher Akademiker, Pfalzgraf, schrieb 1957 im „Convent“: „Wer mich nicht mit meinem Burschenschaftsband haben will, der muß auf mich verzichten, und ich auf ihn.“