Noch ist nicht entschieden, ob das Bundesarbeitsministerium es schaffen wird, seiner Vorstellung von Sonntagsruhe in der Eisen- und Stahlindustrie Gesetzeskraft zu verleihen und damit den weihnachtlichen Gabentisch der Hüttenwerke mit einem Präsent zu bedenken, das nicht auf dem Wunschzettel der Beschenkten stand. In Bonn ist dazu jetzt ein Stufenplan entstanden, über den der Bundesrat noch am 22. Dezember befinden soll. Auch dieser Entwurf, der sich im Ziel nicht von den bisherigen Absichten des Bundesarbeitsministeriums unterscheidet, bringt eine Solo-Regelung für die Stahlindustrie; es sollen allerdings entsprechende Verordnungen für die Papierindustrie und die anderen „Sonntagsarbeiter“ folgen.

Nach dem Bonner Stufenplan soll bis Ende 1963 an den Sonntagen eine achtstündige absolute Arbeitsruhe in den Stahlwerken erreicht sein. Die Stahlindustrie lehnt auch diesen Plan als unzumutbar ab und stellt sich dafür – wenn auch noch nicht ganz geschlossen – hinter ein neues Gutachten, das von neutraler Seite erstellt und offenbar gerade zur rechten Zeit fertig geworden ist, um die unvereinbaren Gegensätze zu überbrücken.

Der Leiter der Sozialforschungsstelle an. der Universität Münster, Dr. Otto Neuloh, hat einen bestechenden Vorschlag gemacht, der in der Tat geeignet wäre, der Industrie die Sonntagsruhe schmackhaft zu machen und dabei gleichzeitig auch dem Bonner Arbeitsministerium – und dessen Auftraggebern – nahezu alle Wünsche erfüllt. Auch der Neuloh-Plan sieht in der Endphase die von Bonn geforderten 26 freien Sonntage in den Stahlwerken vor und bringt die sich zwangsläufig ergebende Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von gegenwärtig 42 auf 40 Stunden dazu noch in Einklang mit dem Tarifabkommen der Sozialpartner, das von 1965 an die 40-Stunden-Woche in der Stahlindustrie vorsieht. Der Entwurf Neulohs verzichtet nicht auf die kontinuierliche Betriebsweise; er sieht lediglich – im wesentlichen durch Vorziehen einiger Arbeitsvorgänge – einen sukzessiven Abbau der Sonntagsschicht-Belegschaften vor. Auf diesem Wege, der allerdings mit nicht unerheblichen Investitionen in den Stahlwerken verbunden wäre, ließe sich allmählich die Zahl der Stahlarbeiter, die am Sonntag arbeiten müssen, merklich herabsetzen.

Das Erstaunliche an dem Neuloh-Plan ist, daß er allen Erfordernissen gerecht wird, und daß es sachliche Argumente, ihn nicht dem Bonner Entwurf vorzuziehen, kaum gibt. Nur leider hat ja auch in der bisherigen Diskussion um die Sonntagsarbeit die Sachlichkeit nicht gerade große Triumphe gefeiert... I. N.