Von Wolfgang Ebert

Wie stellen Sie sich den Typ des idealen Emigranten in der Nazizeit vor?“ wollte ich von einem prominenteren Politiker wissen, der sich in letzter Zeit recht eingehend zu dieser Frage geäußert hatte.

„Also erstens sollte man grundsätzlich nicht emigrieren, das macht immer einen schlechten Eindruck. Ich sah damals keinen Grund zu emigrieren.“

„Das glaube ich Ihnen gern“, versicherte ich ihm, „aber dieser Hitler war doch ziemlich ungemütlich ...“

„Es gab natürlich Ausnahmefälle. Ich will ja auch nicht behaupten, daß alle Emigranten grundsätzlich schlechte Menschen waren. Aber wenn man schon unbedingt emigrieren mußte, dann jedenfalls nicht ins Ausland. Dann blieb man in der inneren Emigration. Gegen diese Leute habe ich persönlich so gut wie gar nichts. Die haben wenigstens ihr Deutschtum nicht verleugnet.“

„Aber manche wurden doch gezwungen, Deutschland zu verlassen, das ist doch bekannt“, gab ich meinem Politiker zu bedenken.

„Schön, solche Fälle sind vereinzelt vorgekommen“, räumte er zögernd ein, „um so mehr hatten diese Leute die Pflicht, sich im Ausland als gute Deutsche aufzuführen und ihrem Lande keine Schande zu machen.“