Die ZEIT hat in ihrer letzten Ausgabe die Hamburger Behörden kritisiert, weil sie eine Tagung des PEN-Zentrums Ost und West verhindert hatten. Der Artikel schloß:

Wir bedauern es aufrichtig, daß eine Diskussion mit den Schriftstellern aus der Zone nicht stattgefunden hat. Und darum laden wir die abgewiesenen Mitglieder des PEN-Zentrums Ost-West ein, auf Kosten der ZEIT nach Hamburg zu kommen, und die Themen, die sie für. ihren ersten Besuch vorgesehen hatten, mit uns und einigen Schriftstellern aus der Bundesrepublik zu diskutieren. Sollte die Universität ihre Hörsäle versagen, so stehen die Redaktionsräume der ZEIT dafür zur Verfügung.

Auf diese Einladung hat Dr. Arnold Zweig im Namen des Vorstandes des Deutschen PEN-Zentrums Ost und West am Sonnabend der ZEIT geantwortet:

Sehr geehrte Herren,

Sie haben uns in Ihrer Nummer vom 16. Dezember 1960 aufgefordert, die literarischen Veranstaltungen des Deutschen PEN-Zentrums Ost und West, die durch Verweigerung der Räumlichkeiten und durch polizeilichen Eingriff nicht stattfinden konnten, dennoch in Hamburg durchzuführen, und drücken Ihre Bereitschaft aus, gegebenenfalls Ihr Haus unserer Tagung zur Verfügung zu stellen.

Wir teilen Ihnen hierdurch mit, daß wir Ihre Einladung mit Dank annehmen.

Lassen Sie uns bitte telegraphisch wissen, wann einer der Herren Ihrer Redaktion für einen Tag nach Berlin kommen könnte, um mit dem Vorstand des Deutschen PEN-Zentrums Ost und West Termin und Einzelheiten der geplanten Zusammenkunft festzulegen.

Wir sehen Ihrer baldigen Nachricht mit Vergnügen entgegen und verbleiben

mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. Arnold Zweig

Diese Zusage, die am Wochenende schon von Ostberliner Zeitungen im Wortlaut veröffentlicht wurde, veranlaßte einige Nachrichtenagenturen, den Verleger der ZEIT, Dr. Gerd Bucerius, um eine Stellungnahme zu bitten. Diese Stellungnahme lautet wie folgt:

„Wir freuen uns sehr über die öffentliche Diskussion. Wir haben an die Vertreter der Zone wichtige Tragen über die geistige Freiheit in jenem Teil unseres Vaterlandes. Wir haben kein unverbindliches Ost-West-Verbrüderungsgeschwätz zu bieten. Unsere Gäste sollten sich darauf vorbereiten, faire und präzise Fragen über die Verantwortung des Schriftstellers für das Volk und die Zukunft an uns zu stellen und uns zu beantworten.“

Auf die Zusage des PEN-Zentrums Ost-West hat die Redaktion der ZEIT mit einem Telegramm an Dr. Arnold Zweig geantwortet:

Besten Dank für Ihren Brief vom 17. 12. Wir werden gern, Ihrem Wunsch entsprechend, nach den Feiertagen, also Anfang Januar, einen Vertreter nach Berlin entsenden, obwohl sie in Ihrer offiziellen Vereinsbezeichnung München als Sitz des PEN-Zentrums Ost und West angeben.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Die Redaktion der ZEIT