Drei schauspielerische Leistungen von bemerkenswertem Rang haben der doch eigentlich eher chargenhaften Figur des Hauptmanns von Köpenick Umriß, Tiefe und Individualität gegeben: der Hauptmann Max Adalberts, entlarvender Empörer aus getretenem Recht; der Hauptmann des Werner Krauss, Fanatiker der bürgerlichen Ordnung; der Hauptmann Heinz Rühmanns, geschundene und zuweilen etwas eulenspiegelhafte Kreatur.

Seit vorige Woche das Fernsehen Zuckmayers Volksstück brachte, haben wir eine weitere Variante des uniformierten Schusters: den Hauptmann Rudolf Plattes, weder Rebell noch Märtyrer, am ehesten noch Kleinbürger mit der Sehnsucht nach kleinbürgerlichem Glück. Die Inszenierung Rainer Wolffhardts hatte das Tragische ebenso vorweggenommen wie das Satirische, das Schneidend-Karikaturistische etwa der Sedanfeier im Zuchthaus war gemildert und der an „Hanneles Himmelfahrt“ erinnernde Herzenston der Szene mit dem sterbenden Kind entlyrisiert. In dieser Form machte das Stück eigentlich weder lachen noch weinen, es provozierte nicht und es erschütterte nicht.

Wolffhardt hatte sich an die Theater-, nicht an Zuckmayers eigene Filmfassung gehalten, und er hatte manche Szenen umgestellt und gestrafft: gut drei Stunden Spieldauer hatte er auf noch nicht einmal zwei Stunden zusammengestrichen. Das ist erlaubt und für eine Fernsehversion sogar geboten. Das einzige, was dabei zu kurz kam, war das Milieuhafte, das unverwechselbar Berlinische, von dem Zuckmayers Stück ganz und gar lebt und das es ja auch zur Voraussetzung hat. Wolffhardts Inszenierung hatte in dieser Hinsicht wenig Glück, wobei hinzukommt, daß seine Akteure den Berliner Dialekt jammerhaft malträtierten. lupus

Scharfe Kritik an dieser Fernsehinszenierung äußerte die Jüdische Gemeinde in Berlin. Die „an sich nebensächliche Szene“ des Erwerbs der Uniform durch den Schuster Voigt beim jüdischen Kleiderverkäufer, so wird argumentiert, sei „in der Fernsehdarbietung ungewöhnlich breit ausgewalzt“ und „in der Form einer Stürmer-Karikatur angelegt“ worden. Die Jüdische Gemeinde befürchtet „neue Ärgernisse auf allen Seiten“.

Polens Glanzzeit

In einer zweieinviertelstündigen Sendung des WDR behandelte Margitta Weber in jener verdienstvollen Sendereihe „Das goldene Zeitalter in der Geschichte der europäischen Völker“, die viel an Bildung in faßlicher Form vermittelt, den ruhmreichsten Zeitabschnitt der polnischen Geschichte. Mit einer kurzen Einleitung über Polens geschichtlichen Werdegang seit seiner Gründung durch Mieszko in den Jahren 960–966 führt die Autorin den Hörer in das 16. Jahrhundert, das polnische Historiker als das „goldene Jahrhundert“ bezeichnen. Polen gehörte zu dieser Zeit zu den größten Reichen Europas. Als dann 1518 der polnische König Sygmunt die schöne Italienerin Bona Sforza in Krakau heiratete, begann unter dem Einfluß der 25jährigen Italienerin in Polen ein kultureller Aufschwung ohne gleichen. Unvollständig erschien dem Kenner der polnischen Geschichte das Lebensbild der jungen Bona Sforza, die einen Glorienschein erhielt. In dieser Zeit begann der innerpolitische Verfall der Monarchie. Dem folgten bald außenpolitische Schwierigkeiten, die dann in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits das Polenreich wesentlich verkleinerten.

Ein wenig weit hergeholt scheint die These der Autorin, daß die gescheiterten Versuche des deutschen Kaisers Otto III. ein vereinigtes Europa zu schaffen, für Polen und seine jetzt tausendjährige Geschichte fatale Folgen nach sich zogen. Polen, das bereits 1375 sein Parlament (Sejm) hatte, als das älteste Land Europas mit parlamentarischer Entscheidungsgewalt zu bezeichnen, ist ein Irrtum der Autorin, deren objektive Sendung im übrigen einen wesentlichen Beitrag darstellt, die Geschichtsfälschung der Nazis zu korrigieren.