Eines der letzten Hefte des Kurier ‚ der Monatszeitschrift der UNESCO, ist dem Problem des Rassenwahns in aller Welt gewidmet. Es bringt eine Sammlung erschütternder Bilder und Dokumente – Bilder aus Auschwitz und Little Rock, Sharpeville und Notting Hill; Berichte über Rassenvorurteile in Westeuropa, Südafrika, Indien, den Vereinigten Staaten und Lateinamerika.

Eine verdienstvolle Sache also, dieses Heft? Nicht ganz. Eines nämlich fällt auf: Vom Ostblock ist nirgendwo die Rede. Gibt es denn keinen Antisemitismus in der UdSSR? Aus dem Kaukasus wird eben wieder eine Kampagne gegen die dortigen Juden gemeldet; die örtliche Zeitschrift „Kommunist“ wärmte am 9. August die alte Schauergeschichte wieder auf, „daß die Juden in der Ausübung ihrer religiösen Riten das Blut von Muselmanen trinken“. Gibt es keinen russischen Rassendünkel? Jüngst sind afrikanische Studenten empört aus Moskau abgereist, weil sie wegen ihrer Hautfarbe ständiger Diskriminierung ausgesetzt waren. Von all dem steht nichts im „Kurier“. Sollte aber ein UNESCO-Bericht nicht vollständig sein? H. P. E.