Berlin, im Dezember

Es war einmal ein Regisseur, der hieß Kurt Hoffmann. Er zog aus, um die Leute das Gruseln zu lehren. Und er ging in einen tiefen, tiefen Wald, in welchem einst die bösen Räuber hausten. Mit ihm gingen seine Kumpane Günter Neumann und Heinz Pauck und allerlei fahrendes Volk. Dort, wo der Wald am finstersten war, brüteten sie ihre schlimmen Pläne aus: Einen Film wollten sie machen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte, einen Geister-Film mit viel Musik. – Ein „Grusical“.

Gedacht, getan. Man kannte das Terrain – im lieben Spessart war’s. Dort hatte sich bereits das sagenhafte „Wirtshaus“ als ergiebige Flimmerpfründe erwiesen. In seinen Keller, so will es die Legende, sollen einstmals die berüchtigten Räuber vom Spessart lebendig eingemauert worden sein. Erst wollte man sie aufhängen, aber das war den braven Bürgern zu langweilig: Einmauern machte Spaß, und oben in der Wirtsstube konnte man sich beim Biere gratis gruseln.

Mit diesem Rückblick in die gute alte Zeit beginnt der Film. Kürzlich nun, beim Autobahnbau, wurde das Wirtshaus abgerissen. Die armen Geister der Räuber wurden heimatlos und hocken jammernd auf einem Baum. Bis sie sich im Schloß derer von Sandau einquartieren – doch da muß der Chronist schon innehalten. Er sieht sich außerstande, zu erzählen, wie alles weitergeht. Er verweilt lieber bei den Personen, den Geistern und ihren Darstellern. Da gibt es alles, was das Kinoherz begehrt: Eine süße, junge, arme, aber adlige Schloßbesitzerin, die Gräfin Charlotte, nebst Tante Yvonne und Onkel Ernst August, einen Herrn von der Bundesregierung, Baron von Teckel. Einen sehr lieben und sehr reichen jungen Mann, den.Martin, das heißt, eigentlich hat sein Daddy, der Hotelier, das Geld. Dann gibt es einen echten orientalischen Prinzen mit stattlichen Eunuchen (sie singen ja so schön). Und es gibt die vier Räubergeister mit ihrem spukenden und hexenden Räuberliebchen.

Kurt Hoffmann hat seine leichte Welle auf Grün geschaltet und die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben. Dennoch überstürzt sich nichts. Nach dem Ausflug in die Historie kommt das moderne Märchen zwar etwas betulich in Gang, aber bald spult es hurtig in einer ununterbrochenen Kette reizender Einfälle und echt kintopphafter Situationskomik ab. Leider ist der Schluß eine Verlegenheitslösung. Kamera: Günther Anders. Die Dialoge und Liedertexte erreichen mitunter Kabarettreife. Die Musik trifft nicht immer notengenau den richtigen Musicalton. Sie stammt von Friedrich Hollaender, Olaf Bienert und Alfred Strasser.

Liselotte Pulver zieht als junge Schloßherrin Charlotte wieder alle Register. Sie ist bei ihrer urkomödiantischen Begabung stets auf angenehme Weise von ihrem hellen Verstand überwacht. Was immer sie tut, sie tut es mit Charme, auch das Singen. Mit Charlotte gruseln sich der Onkel, arm, aber würdevoll (Ernst Waldow) und die Tante (lieb dargestellt von Elsa Wagner). Der regierungsamtliche Baron und Nachfahre des Räuberfängers von Anno Tobak ist mit bewährtem Schneid und spiegelblankem Schädel Hubert von Meyerinck, ein preußischer Yul Brynner im rheinischen Bundesdorf. Heinz Baumann, als der Charlotte liebende reiche Martin, hat es etwas schwer, in dieser Prominentengarde mitzuhalten. Den nahöstlichen Prinzen Kalaka gibt mit akrobatischem Talent, aber übertriebener Komik, Hans Clarin. Er sah einem tatsächlich in diesen Breiten regierenden Haupt sehr ähnlich; hoffentlich kommen keine Proteste;

Die Geisterschar: Curt Bois, Georg Thomalla, Paul Esser, Hans Richter und die sogar stimmlich sinnliche Hanne Wieder. (Der Film ist kinderfrei ab sechs Jahre.) Thomalla und Bois haben sozusagen die Nachfolge von Wolfgang Neuss und dem verstorbenen Wolfgang Müller aus dem „Wirtshaus im Spessart“ angetreten, mit großem Erfolg. Erfreulich ist, daß Curt Bois für den Film gewonnen wurde.