Alle verfügbaren Superlative sind angebracht für das Geschäftsjahr 1959/60, über das jetzt die Klöckner-Hum boldt-Deutz AG, Köln-Deutz, berichtet. Die Aktionäre des Unterneh mens haben schon vor ein paar Wochen erfahren daß sie nicht nur mit einer Heraufsetzung der Dividende auf 14 (13) vH zu rechnen haben, sondern daß die Verwaltung ihnen auch eine Kapitalaufstockung aus Gesellschaftsmitteln um 35 auf 105 Mill. DM (2:1) vorschlagen wird. Die Verwaltung legt Wert auf die Feststellung, daß sie an diese Form der Ausschüttung nur habe denken können, weil die geschäftliche Entwicklung des Unternehmens im vergangenen Geschäftsjahr einen so extrem großen Sprung nach vorn gemacht hat, und weil es so gut wie sicher sei, daß diese Tendenz anhält.

Mit den Berichtigungsaktien in der Tasche sollte den Aktionären auch das Verständnis für einen weiteren Plan der Verwaltung nicht schwerfallen. Das Unternehmen hat sich selbst auch eine „Belohnung“ zugedacht. Aus dem noch vorhandenen genehmigten Kapital von 15 Mill. DM sollen 5 Mill. DM durch Ausgabe neuer Aktien zum „bestmöglichen Börsenkurs“ verwertet werden. Es soll dabei Vorsorge getroffen werden, daß sich die Aktionäre auch an dieser Kapitalerhöhung beteiligen können, aber eben nur mit höherem Einsatz. Das Grundkapital der Klöckner-Humboldt-Deutz AG wird sich, wenn die Aufstockungspläne abgewickelt sind, auf 110 Mill. DM stellen.

Die Absatz- und Erfolgszahlen beweisen deutlich, daß die Aktie der Klöckner-Humboldt-Deutz-Gruppe mit vollem Recht zu den Spitzenwerten der Börse gehört; der Abschluß gibt auch einen Begriff davon, daß sich die Verwaltung mit der Heraufsetzung der Dividende um 1 vH nicht gerade übernommen hat. Zwischen dem – als Gradmesser für die Ertragsentwicklung anzusehenden – Ertragssteueraufwand, der auf 50,42 (37,38) Mill. DM angewachsen ist, und dem vergleichsweise gering angestiegenen Ausschüttungsbetrag klafft eine ansehnliche Spanne. Aber das braucht die Aktionäre ausnahmsweise einmal nicht anzufechten; denn bei der Beurteilung dieser Frage sind auch die anderen Vergünstigungen, die das Unternehmen diesmal bietet, in die Betrachtung mit einzubeziehen. Vor allem braucht auch die Hoffnung darauf, daß die Gesellschaft im nächsten Jahr in der Lage sein wird, das höhere Kapital mindestens gleichwertig zu verzinsen, angesichts der Ertragsreserven dieses Abschlusses keine bloße Spekulation zu sein.

Mit seiner 26prozentigen Umsatzsteigerung ist die Gruppe Klöckner-Humboldt-Deutz im Geschäftsjahr 1959/60 in die Region der Umsatzmilliardäre vorgestoßen. Einschließlich der inzwischen fusionierten Tochter Westwaggon erreichte die Gesellschaft einen Umsatz von 1,02 (810 Mill.) Mrd. DM. Die Ausweitung wurde in fast allen Sparten der relativ breiten Produktionsskala erreicht. Besondere Auftriebskraft hatte der Boom der Investitionsgüterindustrie. Aber auch die enge Verflechtung des Unternehmens mit der Bauwirtschaft hat sich in steigenden Verkaufserfolgen niedergeschlagen. In allen Bereichen ist der Auftragseingang im vergangenen Geschäftsjahr weit über die Verkaufszahlen hinausgegangen, so daß die Verwaltung auch der weiteren Entwicklung zufrieden entgegensieht. Es könne auch im neuen Geschäftsjahr wieder mit einem Milliardenumsatz gerechnet werden, betonte Vorstandsvorsitzer Dr. Heinrich Jakopp vor der Presse.

Besondere Beachtung verdient die Exportentwicklung der Gruppe. Die Erhöhung der Exportumsätze – um 45 vH auf rd. 324 Mill. DM – hat die Gesamtzuwachsrate weit übertroffen. Damit beträgt der Ausfuhranteil des Konzerns 32 (28) vH. Der Auslandsanteil am vorliegenden Auftragsbestand von 37 vH zeigt, daß den Bemühungen der Verwaltung um andere Märkte in Zukunft noch weitere Erfolge beschieden sein werden. Zu der Exportsteigerung im Berichtsjahre haben die Lastkraftwagenlieferungen auf Grund des mit der Vereinigten Arabischen Republik abgeschlossenen Bau- und Liefervertrages und der Schlepperexport nach Argentinien wesentlich beigetragen. Zu diesen beiden Ländern wird sich in absehbarer Zeit ein dritter Schwerpunkt gesellen: in Brasilien stehen Vertragsverhandlungen über den Bau einer Schlepperproduktion von zunächst 1500 Einheiten jährlich vor dem Abschluß; diese neue Auslandstochter wird der Deutzer Mutter zu über 50 vH gehören.

Die stürmische Geschäftsausweitung hat bereits gewisse Kapazitätsengpässe sichtbar werden lassen. Deshalb wird die Verwaltung ihr Investitionstempo beschleunigen. Ein neuer Dreijahresplan ist aufgestellt worden, der Jahresraten von 40 bis 50 Mill. DM vorsieht. Finanzierungsprobleme wird dieser Plan nicht zu lösen aufgeben; denn neben den Abschreibungen, die im Berichtsjahre 24,39 (21,76) Mill. DM ausgemacht haben und sicherlich nicht sinken werden, stehen die Mittel aus der Kapitalerhöhung über die Börse zur Verfügung. Nmn.