Im Hinblick auf die kommenden Weihnachtsfeiertage wollen wir uns, meine verehrten Leser, hier am Bankschalter kurz fassen. Wenn ich mich heute überhaupt noch melde, dann geschieht das mit Rücksicht auf die vielen Anfragen, die ich zum VW-Komplex erhalten habe. Die Banken haben in diesen Tagen die Zeichnungsaufforderungen verschickt. In ihnen ist alles enthalten, was man wissen muß. Der Gesetzgeber, der es offensichtlich gut mit den künftigen VW-Aktionären meinen wollte, hat mit seinem differenzierten Rabattsystem die Zeichnung jedoch sehr kompliziert gemacht. Schon heute klagen die Kreditinstitute, daß viele Kaufanträge unvollständig oder unrichtig ausgefüllt zurückgekommen sind. Nicht etwa, weil hier eine Betrugsabsicht zugrunde liegt, sondern einfach deshalb, weil es nicht jedermanns Sache ist, Fragebögen auszufüllen.

Sie, meine verehrten Leser, wissen aus früheren Gesprächen, daß man sich bei allen Entschlüssen über die Kapitalanlage Zeit lassen sollte. Und das gilt auch für die VW-Aktien. Niemand verlangt von Ihnen, daß Sie sich sofort entscheiden. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 15. März 1961. Alle bis dahin bei den Kreditinstituten eingehenden Anträge werden gleichmäßig behandelt. Wer also heute seinen Antrag abgibt, hat keinerlei Vorteil gegenüber jenen Antragstellern, die erst im März zeichnen wollen.

Zerbrechen Sie sich den Kopf nicht unnötig. Auf Grund des jetzt vorliegenden Kaufangebots kann nur VW-Aktien erwerben, wer seinen Wohnsitz im Inland hat, am 15. März 1961 mindestens 18 Jahre alt ist und bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreitet. Unverheiratete nicht über 8000 DM jährlich, Verheiratete (gegebenenfalls das Einkommen beider Ehegatten zusammengerechnet) nicht über 16 000 DM. Je nach Familienstand und Einkommen gibt es Nachlässe. Einzelheiten finden Sie in dem Verkaufsangebot. Vorerst ist ein Kauf ohne Nachlaß nicht möglich. Erst Wenn der sozialbegünstigte Personenkreis die 3,6 Millionen DM zur Verfügung stehenden VW-Aktien nicht abnimmt, wird ein freier Verkauf der VW-Aktien stattfinden.

Welche Beträge aufzubringen sind, finden Sie in der beistehenden Tabelle. Das Geld braucht nicht zusammen mit der Einreichung des Zeichnungsantrages eingezahlt zu werden. Den Kaufpreis zahlen Sie erst nach Zuteilung der Aktien. Voraussichtlich Ende März 1961. Ist die Nachfrage nach VW-Aktien so groß, daß nicht alle Anträge voll befriedigt werden können, dann erhalten Sie möglicherweise weniger, als Sie beantragt haben.

Niemand ist gezwungen, Ende März den vollen Betrag seiner Bank oder Sparkasse zu bringen. Ratenzahlung ist zulässig. Die letzte Rate braucht unter Umständen erst am 1. Oktober 1962 gezahlt zu werden. Die Bank berechnet Ihnen nur 5 vH Zinsen. Auf die Möglichkeit der Ratenzahlung weise ich deshalb besonders hin, weil sich einige Leser bereits bei mir erkundigt haben, ob es zweckmäßig ist, jetzt – zu den vergleichsweise niedrigen Aktienkursen – andere Aktien zu veräußern, um Geld für die Zeichnung der VW-Aktien frei zu machen. Natürlich weiß niemand, wie sich im Laufe der nächsten Monate die Kurse einzelner Papiere entwickeln werden. Feststeht jedoch, daß niemand zu überstürzten Verkäufen gezwungen ist. Man hat also Zeit, auf günstige Kurse zu warten.

Zum Schluß noch ein Hinweis: Geben Sie – wenn es irgendwie möglich ist – Ihren Kaufantrag persönlich bei Ihrem Kreditinstitut ab. Dann können Zweifelsfragen an Ort und Stelle geklärt werden – und Sie ersparen sich und der Bank unter Umständen einen unnötigen Schriftwechsel.

Haben Sie Fragen in bezug auf die VW-Aktien, die Sie nicht mit Ihrem Kreditinstitut klären können, so stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Für die kommenden Festtage und zum Jahreswechsel wünsche ich Ihnen alles Gute! Im neuen Jahre werden wir unsere Gespräche in altgewohnter Form fortsetzen... Ihr Securius