Die Zellstofffabrik Waldhof wird das Kapital im Verhältnis 4:1 um 15,6 auf 78 Mill. DM zu erhöhen, zu befinden haben. Die jungen Aktien sollen zum Kurs von 150 vH ausgegeben werden. Wozu braucht Zellstoff die von den Aktionären angeforderten Mittel? Selbstverständlich für Investitionen. Sie werden 1960 etwa 34 Mill. DM betragen, die Abschreibungen aber nur 24 Mill. DM bringen. Die gesamte Waldhof-Gruppe investierte in den Jahren 1956 bis 1960 rund 180 Mill. DM. Davon fallen allein 40 Mill. DM auf das Jahr 1959 und 50 Mill. DM auf 1960. An Abschreibungen aber sind von 1956 bis 1960 nur 127 Mill. DM angefallen.

Der Außenstehende ist vielleicht geneigt, zu fragen, ob es überhaupt richtig ist, in die Papier- und Zellstoffindustrie neue Mittel zu investieren. Andere Branchen scheinen weit bessere Aussichten zu haben. Der Vorstandsvorsitzende der Zellstofffabrik Waldhof, Dr. Friedrich Don, meinte hierzu, daß, auf weite Sicht gesehen, bezüglich Zellstoff- und Papierabsatz überhaupt keine Bedenken bestehen. Die Problematik des Faches liege bei seiner Wirtschaftlichkeit. Zwischen Rohstoff und Fertigfabrikaten kann leicht eine Preisschere aufklaffen. Schuld hieran ist der deutsche Wald. Er soll geschützt werden. Das aber kostet Geld. Deshalb werden die Holzpreise hochgehalten. Dabei erweist sich der Staatswald als Preisführer der Forstwirtschaft. Der Transport der Rohware Holz ist naturgemäß teurer als der von Zellwolle. Die Zellstoff- und Papierindustrie in den großen Waldländern Skandinaviens, noch mehr aber Kanadas, ist daher mit ihren Rohstoff orientierten Standorten leistungsfähiger. Will man daher den deutschen Wald schützen, dann muß man die Einfuhr von Papier, Pappe und Zellstoff mit Zöllen belegen.

Nach langwierigen Verhandlungen wurde der Schutz der deutschen Papierfabriken verbessert. Der durchschnittliche Zoll von Papier und Pappe wird von ca. 10 auf ca. 12,5 vH im Januar 1961 steigen. Bei Sulfit-Zellstoff bleibt etwa der bisherige Zollschutz aufrechterhalten. Bei Sulfat-Zellstoff, der in Deutschland nicht erzeugt wird, werden ausreichende zollfreie Kontingente gewährt.

Nun aber ist der Zoll kein Allheilmittel. Er ist vielmehr eine Medizin, die wohl dosiert werden muß, und zwar mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit der verarbeitenden Wirtschaft ausreichend zu stärken. Das hat Zellstoff Waldhof von Anfang an erkannt. Das Bestreben der Gesellschaft ist es, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu steigern. Es wurde rationalisiert, die Betriebsvorgänge wurden vereinfacht, die Verwaltung zusammengefaßt und die Produktion, und damit der Umsatz, ausgeweitet. Dieser ist seit 1956 um 90 Mill. DM, das heißt um 25 vH gestiegen. Alle diese Maßnahmen verlangen Investitionen, und zwar mehr als durch Abschreibungen finanziert werden können. Die Zellstofffabrik Waldhof muß deshalb auf den Kapitalmarkt zurückgreifen. W. R.