K-a, Frankfurt

Kennen Sie garniertes Sauerkraut mit Sorbinsäure? Sie mögen kein Sauerkraut? Mit Sorbinsäure sollten Sie’s versuchen! Oder wie wäre es mit Gulasch 1, 2, 6? Von Weihnachten an werden Sie ihn auf jeder Speisenkarte finden. Aber nicht nur Sauerkraut und Gulasch, sondern auch das Schweineschnitzel, die Mailänder Suppe, das Goldbarschfilet und die beliebte Kalbshaxe, kurz, alle unsere sogenannten „bürgerlichen“ Gerichte werden mit sonderbaren Erläuterungen auf der Speisenkarte erscheinen.

Seit das neue Lebensmittelgesetz mit der Forderung droht, künftig auch auf den Speisenkarten in den Gasthäusern die Anzahl der in den Gerichten verwendeten zulässigen Fremd- und Farbstoffe zu vermerken, sehen die Gastwirte der Zukunft ihrer Häuser mit Düsterkeit entgegen. Ob es dem Gast nicht den Appetit verschlagen wird, so meditieren sie, wenn er liest, daß sein geliebtes „Grilliertes Schweinesteak Hubertus mit Spätzle und Salat“ allein sechs von den acht möglichen Fremdstoffen, nämlich Sorbin-, Benzoe- und Ameisensäure, PHB-Ester, Aminonaphthalin und Aminoazobenzol enthält? Ob nicht die Stammgäste rar und die Kellner, ob der vielen entsetzten Fragen, noch mürrischer werden? Aber Gesetz ist Gesetz, und ab 24. Dezember wird es wirksam sein. Und den Gastwirten wird nichts anderes übrigbleiben, als ihren Kellnern Nachhilfeunterricht in Chemie zu geben.

Der Landesverband Hessen des Hotel- und Gaststättengewerbes aber fürchtet um seinen guten Ruf. Außerdem macht die Aufzählung all dieser merkwürdigen, schwerartikulierbaren Namen ja auch einige Arbeit, und das Personal ist rar. Der Landesverband hat deshalb vorgeschlagen, die Gerichte nicht mit den Namen der verwendeten zulässigen Fremd- und Farbstoffe zu versehen, sondern mit Codeziffern. (Deshalb also Gulasch mit Knödeln 1, 2, 6.) Eine „Legende“ unten am Schluß der Speisenkarte soll dann aufschlüsseln, welcher Stoff mit welcher Zahl gemeint ist. Das vereinfache die Registrierungspflicht und schalte „Falschmeldungen“, bedingt durch Unkenntnis oder Eile, aus. Sicher spielt dabei auch die Überlegung eine Rolle, daß Fußnoten dazu da sind, nicht gelesen zu werden; man wird sie sicher ebenso klein drucken, wie den Hinweis auf den Bedienungszuschlag.