Wenn die persönlichen Gestalten aus einer Religion hinweggezogen sind, so verfallen ihre Tempel, und der Rest ist Schweigen.

Gottfried Keller

Hermine Körner

In der vorigen Woche starb im Alter von 78 Jahren die aus Berlin stammende Schauspielerin Hermine Körner, die unter anderem in Wien, Düsseldorf, Dresden, Berlin und Hamburg engagiert war. Sie war eine große Tragödin, Repräsentantin einer Welt, die nicht mehr die unsere ist. Zugleich aber können vielleicht nur Darstellerinnen ihres Stils viele Rollen der Weltliteratur so überzeugend, so zwingend darstellen. Dort, wo, entsprechend dem Thema des Stückes, Pathos, gepaart mit Grazie und Geist, in unsere Welt hereinragt, war sie einzigartig und hinreißend: als „Irre von Chaillot“ in der Inszenierung von Karl Heinz Stroux. Sie beherrschte alle technischen Mittel: Wo man geneigt war, gleich geistige Konzeption und schöpferische Gnadenakte zu wittern, war sie stolz auf ihr Können – was ihren Rang nicht mindert, sondern bestätigt.

Abschied vom Dirigentenpult

Nach einem Konzert in Rom faßte Igor Strawinsky den „unabänderlichen Entschluß“, den Taktstock für immer aus der Hand zu legen. Der 80jährige Komponist will in Zukunft nur noch komponieren.

Auch eine Auszeichnung

In Frankreich, wo die Literaturpreise ebenso zahlreich sind wie die Weinsorten, wurde vergangene Woche ein neuer Preis aus der Taufe gehoben, mit dem alljährlich „das miserabelste Buch“ einer Frau bedacht werden soll. Diesmal bekam ihn Annabel Buffet, die Gattin des Malers, für ihren Roman „L’Amour Quotidien“ (Täglich Liebe). Die Jury bestand aus sechzehn Männern.