FÜR Bücherleser, die wissen wollen, was von 1933 bis 1945 wirklich geschah –

Dieter Strothmann: „Nationalsozialistische Literaturpolitik“; H. Bouvier Verlag, Bonn; 483 S., 48,– DM.

ES ENTHÄLT wissenschaftlich exakte Beschreibungen von Institutionen des Literaturbetriebes(wie Propagandaministerium und Reichsschrifttumskammer), von der Steuerung der Buchproduktion, von Zensur und „Literaturbetrachtung“ im Dritten Reich, sowie drei besonders lesenswerte Exkurse über „Die Grundlagen einer nationalsozialistischen Ästhetik“, „Die NS-Literaturgeschichtsschreibung als Wirkungsgeschichte“, „Die Prüfungskategorie ‚Adolf Hitler‘ “. Es enthält leider nicht: einen Index.

ES GEFÄLLT, weil der nüchtern sachliche Ton des scheinbar unbewegten Gelehrten dem noch immer leidenschaftlich umstrittenen Thema am angemessensten ist, da er Sensationslüsterne abhalten wird und glaubhaft erscheinen läßt, daß es nicht um ‚Enthüllungen‘, sondern um ‚Klärung‘ geht. So ist es wohl auch zu verstehen, wenn viele Namen nicht genannt werden – wodurch freilich die Erwähnung der anderen etwas Zufälliges bekommt. Das Versagen der Literaturwissenschaft konzentriert der Verfasser ganz auf die Professoren Koch, Kindermann und Bartels. Auf allen anderen Gebieten wird saubere, solide, wesentliche Aufklärungsarbeit geleistet. – a. f.